Deutschrap-Journalist werden – Tipps und Inspirationen
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Deutschrap-Journalist werden – Tipps und Inspirationen

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Deutschrap-Journalist werden – Tipps und Inspirationen

Deutschrap-Journalist werden – Tipps und Inspirationen
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Der deutsche Rap regiert die Charts – zumindest in Deutschland. Doch auch in der Schweiz sind in den Top 10 und vor allem den Top 100 der Singlecharts seit Jahren immer wieder etliche deutschsprachige Rapper vertreten. Da Deutschrap im Allgemeinen immer beliebter wird und langsam auch in den Mainstream-Medien ankommt, dass Deutschrap keine gefährliche Untergrundmusik ist, die unsere Kinder versaut, gibt es auch immer mehr, was über das Genre berichtet werden kann und muss. Und dafür braucht es gute Journalisten. Zwar ist die Konkurrenz heute bereits groß, die Nachfrage nach Rapjournalismus-Talenten besteht allerdings immer noch und jederzeit. Wir haben uns gefragt, was es braucht um als Deutschrap-Journalist durchzustarten – und wir haben Antworten gefunden.

Rapjournalismus in der Schweiz – hoffentlich aufstrebend

Formate, die gegangen sind und Formate, die kommen

Reden wir nicht lange um den heißen Brei: In der Schweiz und auch in Österreich gibt es gute Rapper. Die ganz grossen Namen, die auch immer wieder die Charts regieren, kommen aber aus Deutschland. Der Österreicher Yung Hurn stellt eine Ausnahme dar, ansonsten ist es mit Österreich ähnlich, wie mit der Schweiz – die Talente sind da, gehört werden sie von der breiten Masse oft aber (noch) nicht.

Und ganz ähnlich geht es dem Schweizer Rapjournalismus auch. Im April 2019 haben wir schon einmal über tote Formate wie "joiz in the hood" und das Schweizer VBT sowie über neue Lichtblicke im Journalismus-Game geschrieben. Wir haben den "Pottcast" von Knackeboul und Luuk gelobt, in dem sich die beiden Künstler über Gott und die Welt und Rap philosophieren. Und zu den drei Rappern, die bei Julian Thorner im Podcast waren, Emm, Kiko und Knackeboul haben sich inzwischen immerhin noch Mimiks sowie LCone gesellt. Vom angekündigten Podcast von Ben Whale haben wir bislang aber nichts mehr erfahren. Insgesamt scheint es aber eher so, als würden wenn, dann Rapkünstler selbst den Entschluss fassen in den Rapjournalismus einzusteigen.

In Deutschland sieht es anders aus. Hier kommen immer mehr junge Menschen in die Branche, die Lust haben, gut recherchierte Inhalte zu bringen und tiefgründige Künstlerinterviews zu führen. Was aber letztlich vielleicht auch einfach wieder daran liegen mag, dass der Kontakt zu Künstlern, für die auch ein größeres Interesse besteht, aufgrund des größeren Angebots, schneller zustande kommen kann. Doch das ist lange kein Grund, als Schweizer Journalistentalent die Flinte ins Korn zu werfen.

Warum mehr getan werden muss

Im Gegenteil: Wir rufen an dieser Stelle dazu auf, mehr für den Schweizer Rapjournalismus zu tun. Und nein, wir schießen uns damit garantiert nicht selbst ins Bein, sind wir doch froh, nicht mehr eine Monopolstellung in der Schweizer Berichterstattung über Rap und HipHop darstellen zu müssen.

Und sind wir noch einmal ehrlich: Kaum jemand wird bestreiten, dass es dem Schweizer Rapjournalismus gut tun würde, seinen Ruf ein wenig aufzupolieren. Denkt etwa der Großteil der Deutschraphörer an Schweizer Medien und den Umgang mit deutschsprachigen Rappern, fällt ihm wahrscheinlich vor allem zwei Sachen ein: Zum einen das altbekannte JOIZ-Interview mit Money Boy. Das ging, da sind sich fast alle einig, ja eher nach hinten los. Wer sich erinnern möchte, kann sich das Best of ja noch einmal auf YouTube zu Gemüte führen. Und zum anderen wären da noch die bereits jetzt mindestens genauso legendären Interviews des SRFs mit Yung Hurn. Man kann den jeweiligen Interviewern keinen Vorwurf machen, etwas gefasster und cooler hätte man mit der ganze Situation vor allem im zweiten Fall dennoch umgehen können. Schließlich ist es keine Neuheit, dass Hurn mit provokanten Überraschungen und ungewöhnlichen Aktionen immer wieder von Sich Rede macht ist.

Kurzum: Zeit für mehr neue und frische Leute im Schweizer Rapjournalismus. Aber wie genau wird man eigentlich so ein Rapjournalist?

Auf dem Weg zum Rapjournalist

Braucht es eine klassische Ausbildung?

Um die Frage, ob es eine klassische Journalistenausbildung braucht, um Rap- oder HipHop-Journalist zu werden, gleich zu beantworten: Nein, braucht es nicht! Wie wir im nächsten Abschnitt noch erläutern werden, kann man über alle möglichen Wege in die Branche kommen. Das heißt aber nicht, dass eine klassische Ausbildung nicht von Vorteil sein kann.

Eine klassische Journalistenausbildung muss nicht, kann aber durchaus helfen. (stock.adobe.com © rh2010 (DATEI-NR.: 301702975)

Zur Information für alle, die diesen Weg einschlagen möchten, um sich auch offenzuhalten, vielleicht in andere Bereiche der Berichterstattung zu schnuppern: Grundsätzlich lässt sich in der Schweiz etwa in Zürich "Design, Cast / Audiovisual Media", in Winterthur "Kommunikation" oder in Chur "Multimedia Production" studieren – alles Studiengänge, die auch auf eine journalistische Karriere vorbereiten. Zudem gibt es in Zürich den Bildungsgang "Journalismus", in Luzern den Diplomlehrgang "Journalismus" und die Ringier Journalistenschule. Ob es, wie an der Kalaidos Fachhochschule bietet in Aarau so etwas wie den einstmals angebotenen Nachdiplomstudiengang CAS (Certificate in Advanced Studies) Musikjournalismus noch einmal geben wird, steht in den Sternen.

Von Bewerbungen, Volontariaten und Zufällen

Klar gesagt werden muss: Wer im Rapjournalismus durchstarten möchte, egal ob in der Schweiz oder in Deutschland, muss in die Szene passen. Nirgends können Künstler so stur, unangepasst, mürrisch und genervt sein und das auch so offen zeigen, wie in der Rapszene. Wir verweisen an dieser Stelle noch einmal auf Money Boy und Yung Hurn und nennen zusätzlich etwa noch den guten Fler.

Zu einem Grundverständnis und einem Identifikationswillen mit der Szene kommt das Erscheinungsbild hinzu. So hart es ist, aber Rapjournalisten sollten auch ein wenig so aussehen, als hätten sie etwas mit Rap zu tun. Zumindest, wenn sie sich dauerhaft in der Medienlandschaft etablieren möchten. Wer bei einem großen Vertreter der Deutschrap-Medien überzeugen möchte, gibt sich schon bei der Bewerbung größte Mühe, ein solches Bild von sich zu schaffen. Eine gute und überzeugende Bewerbung enthält in diesem Fall ein Foto, auf dem klargemacht wird, dass Rap das Genre Nummer 1 ist. Diverse Photoshop-Skills und Basics der Bildbearbeitung können den gewünschten Effekt verstärken. Wir betonen ausdrücklich: Ein stylisches, gerne auch gut und passend bearbeitetes Foto ist hier weitaus angebrachter, als ein klassisches Bewerbungsbild mit Anzug und Krawatte. Damit wird man in der Branche nicht weit kommen.

Hinzu sollte ein aussagekräftiges Motivationsschreiben kommen, indem die Liebe und Leidenschaft für Rap und bestenfalls auch das vorhandene Wissen bekräftigt wird. Wer dann noch davon überzeugen kann, dass Kommunikationstalent vorhanden ist und bestenfalls bereits journalistische Erfahrungen (etwa in Form von Volontariaten) vorweist, muss noch ein wenig Glück haben und hoffen, dass es klappt.

Glück und Zufall gehören nun einmal leider auch dazu. Davon berichten etwa Alex Barbian von rap.de und Kevin von Backspin in einem gemeinsamen Interview. Alex Barbian etwa erzählt, dass er zufällig über einen Freund "Skinny" kennenlernte, einen seit Längerem bekannten HipHop-Journalisten der Branche. Anschließend schrieb er einfach nur Kommentare auf der Website von Rap.de, stellte dann fest, dass deren Büro "bei ihm um die Ecke" war und schaute da einfach mal vorbei. Und so kam eins zum anderen. Und Kevin von Backspin schrieb anfangs für seinen eigenen kleinen Blog, auf den aus irgendeinem Grund "Falk Schacht", die HipHop-Journalismus-Koryphäe des deutschen Raps schlechthin aufmerksam wurde. Und so kam es dann schließlich auch zu einem Praktikum bei Backspin. Der Rest ist Geschichte.

Eigenschaften und Fähigkeiten, die Rapjournalisten aufweisen sollten

Natürlich sollte die Portion Glück und Zufall niemanden, der wirklich professionell und beruflich über deutschen Rap berichten möchte, davon abhalten, diesen Traum zu verfolgen. Einige Eigenschaften und Fähigkeiten hingegen sollten auf jeden Fall vorhanden sein.

So sollten alle Interessenten natürlich ein nicht abreißendes Interesse für die ganze Palette an deutschem Rap aufweisen. Es kann gut sein, dass man sich im Beruf als Rap-Journalist auch mal mit Künstlern auseinandersetzen muss, die einem nicht so zusagen. Man sollte also breit informiert bleiben.

Mit eigenen kleinen Formaten bereits Erfahrungen zu sammeln und vielleicht sogar Aufmerksamkeit zu erlangen, ist keine schlechte Idee. (stock.adobe.com © bizoo_n (DATEI-NR.: 252782220)

Hinzu kommt der Jargon der Szene. Einige Fachausdrücke, Redewendungen und Witze verstehen nur Insider. Also auch hier gilt wieder: Informieren und mit der Szene auseinandersetzen.

Auch eine dicke Haut ist in dieser Szene mitunter hilfreich. Viele Rapper sind eitel und kritikunfähig. Das Gleiche gilt für ihre Fans Wer sich negativ zur Kunst äußert, muss schnell mal eine Menge Hate oder gar einen Shitstorm über sich ergehen lassen.

Weiterhin lohnt es sich, bereits eigenständig und selbst, wenn noch keine Ausbildung oder ein Volontariat in Aussicht stehen, Erfahrungen im Bereich des Rapjournalismus zu sammeln. Ein kreatives Blog oder ein YouTube-Channel, der neuen Wind in die Szene bringt, wie "Mr. Rap" das mit seiner "Rap Schau" getan hat, kann dafür heute durchaus genau das richtige Format darstellen.

Die Vice schrieb dazu: "Den Ruf als Schmuddelkinder der Rap-Berichterstattung haben sich die Klatschmagazine [,wie zum Beispiel "Alpha Kenan" oder "BRN Deutschrap",] hart erarbeitet. Nun macht ihnen ausgerechnet einer aus den eigenen Reihen das schlechte Image kaputt. Die Rede ist von Mr. Rap, der mit seiner regenbogenfarbenen Sturmhaube wie der queere Zwillingsbruder von Blokkmonsta aussieht, in Wirklichkeit aber der Hoffnungsträger des deutschen Rap-Journalismus ist."

Und schließlich sollte jeder, der in den Deutschrap-Journalismus einsteigt, die wichtigsten Deutschrap-Medien kennen. Erwähnte Rap Schau und andere YouTube-Kanäle gehören da genauso dazu, wie lang bestehende Hip-Hop-Magazine. Sie könnten schließlich den zukünftigen Arbeitgeber darstellen oder die Konkurrenz verkörpern.

Die Beschäftigung mit den wichtigsten Deutschrap-Medien

Dass wir als Portal in der Schweiz einen oberen Platz der Deutschrap-Berichterstattung einnehmen können wir bei aller Bescheidenheit einfach einmal so sagen. Ansonsten spielt sich das Meiste, wie bereits erwähnt, in Deutschland ab. Abschließend wollen wir also nun noch die aus unserer Sicht wichtigsten und größten Deutschrap-Medien nennen, mit denen man sich auseinandergesetzt haben sollte:

Online oder Print (sowie meist auch YouTube):

·      Backspin

·      Juice

·      16Bars

·      Rap.de

·      Hiphop.de

·      Rappers.in

·      Heckmeck.tv

·      Splash! Mag

·      YOU FM

Rein auf YouTube:

·      TV Strassensound

·      Rap Schau

·      Einigkeit & Rap & Freiheit

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