So war der Red Bull Soundclash 2022
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2022

Konzertrückblick

So war der Red Bull Soundclash 2022

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So war der Red Bull Soundclash 2022

Lenard Baum
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So war der Red Bull Soundclash 2022
Quelle:
Pacal Kerouche / Red Bull Content Pool
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Red Bull lud zum Soundclash 2022 nach Dortmund ein und das LYRICS Magazin war live dabei. Es standen sich Team Rot alias Kool Savas und Badmómzjay und Team Blau in Form von Sido und Bozza gegenüber. Ein Abend voller Überraschungen, fiesen Disses und unzähligen Hits.

Nach einem Jahr Pause feierte Red Bull’s Soundclash in der Dortmunder Westfalenhalle seine Rückkehr auf die grosse Bühne. Wegen Corona wurde in letzter Zeit auf Grossveranstaltungen verzichtet und die letzten Battles ins Studio verlegt. Nun ging es aber mit dem bisher grössten Soundclash Deutschlands, heisst über 8`000 Tickets, in die Vollen. Dies liess sich beim Eintritt in die Halle schon erahnen: Zwei riesige Metallkonstruktionen als Bühnen, gespickt mit LED-Anzeigen und begehbaren Plattformen boten den Teams ihre Bühnen. Team Blau hat sich dazu noch an der Seite einen Bartresen montieren lassen, während Team Rot sich stattdessen für eine gemütliche Ledercouch entschied. Das Schlachtfeld war gegeben, fehlten noch die Kämpfer. Angeheizt von den Wolter-Zwillingen Dennis und Benni, bekannt aus der YouTube-Sendung World Wide Wohnzimmer, begann der Abend mit einem Knall.

Start im Legendenmodus

Auf einer zentralen kleineren Bühne gaben sich die Rapikonen und Coaches Kool Savas und Sido mit einer Performance ihres gemeinsamen Hits «Royal Bunker» die Ehre und brachten die Westfalenhalle zum Beben. Dem Start folgte Badmómzjay, welche in bester Mary-Poppins-Manier von der Decke abgeseilt wurde, um für Team Rot mit Unterstützung von Coach Savas sowie Nessi den ersten Schlag zu landen. Das «Warm-Up», die erste Runde, ist ein Abtausch von Team Rot und Team Blau, in welcher sie neben spektakulären Entrances ein paar ihrer grössten Hits zum besten geben. Bozza entschied sich anstatt für Mary Poppins lieber für eine vom Wrestling-Sport inspirierte Entrance und schritt zu donnernder Untergangsmusik sowie getragenen Fackeln in Richtung Bühne. Der Schlagabtausch begann und nach Hits von beiden Seiten ging es in die nächste Runde.

Aufeinandertreffen im Monsun

Die nächste Runde, «The Cover», war ein Rückblick in die Jugendzeiten beider Musiker:Innen. Badmómzjay und Bozza mussten einen fremden Hit in ihrem Still covern. Die Wahl fiel dabei auf «Durch den Monsun» von Tokio Hotel, Deutschlands Boygroup der 00er Jahre. Badmómzjay holte sich dabei Unterstützung in Form von Takt32 und schlug lyrisch gegen Hater sowie Regenwolken in ihrem Kopf aus. Bozza wählte mit seinem Cover einen düstereren Ton und erinnerte dabei an seine eigenen, von dunklen Wolken überhangenen, schweren Zeiten. Vollendet wurde dies mit dem Auftritt der Interpreten selbst. Wo vorher Savas und Sido noch mit «Royal Bunker» die Menge anheizten, stimmte Tokio Hotel selbst den Ton ihres Hits an. Ein kleiner Rückblick in vergangene Zeiten zur eindeutigen Freude beider Artists.

Disses wie Liebe

Der Soundclash lebte immer, wie vom Namen her zu erahnen, von seinen Clashes. Viele Punchlines und Disses von vergangenen Soundclashs sind in die Annalen des Deutschrap-Pathos eingegangen: Darunter K.I.Z's Berlin-Verbot für die Jungs von Kraftklub, Samy Deluxe's Abrechnung mit drei Jungen Rappern der neuen Generation und Sido's vernichtender Diss den Altmeistern Eko, Samy und Afrob gegenüber, der mit der Aussage, dass er im Gegensatz zu ihnen für die Jungen ein Gott sei, die Machtverhältnisse klarstellte. Umso gespannter war man für «The Takeover», bei welchen die Künstler einen gegnerischen Song nach der Hälfte aufnehmen und ihn in ihrem Still weiterspinnen. Eine perfekte Gelegenheit, um sich über die Musik des gegnerischen Teams lustig zu machen und zu zeigen, wie es «richtig» geht.

Bozza und Sido am Red Bull Soundclash. Bild: dieserbobby / Red Bull Content Pool

Für einen der besten Dissmomente des Abends hat Bozza-Couch Sido dabei gesorgt. Der Altmeister antwortete überraschend selbst auf Badmómzjay's Song «Signal», welchen die Künstlerin Minuten vorher der LGBTQ+ Community gewidmet hatte, auf traditionell primitive Sido-Art. Anstatt auf die lyrischen Sticheleien der Rapperin einzugehen, gab Sido auf dem Pop-Instrumental von «Signal» seinen stumpfen «Arschf*cksong» zum Besten, welcher die Fans von Team Blau ausflippen liess.

Disco x Klassik = Rap

Die Wolter-Zwillinge geben die Richtung der nächsten Runde «The Clash» vor. Einmal Disco-Sound und Klassisch bestellten die YouTube-Zwillinge von den beiden Teams, diese lieferten ab. So trafen im Clash musikalische Kombinationen aufeinander, die man so selten zu hören bekommt. Während Bozza seine Fans mit einem kleinem DJ-Trick erst hinhielt, um mit den Atzen und «Disco Pogo» richtig in Stimmung zu kommen, konterte Badmómzjay mit ihrer Version von «Tu nicht so» samt DJ VIZE und Publikumsberührungen. Ein Highlight der Show stellten die klassischen Medleys beider Artists dar, wobei Bozza seinen Hit «Elbe» in Begleitung von Newcomer 1986zig vortrug und Badmómzjay «Supernova», ebenso in Newcomer-Begleitung in Form von Luna, vorstellte. Zwei Songs, welche bereits bei Fans eine grosse Beliebtheit genossen, haben an diesem Abend in der klassischen Version ein neues Sound-Gewand erhalten.

Die Atzen am Red Bull Soundclash. Bild: dieserbobby / Red Bull Content Pool

Gäste, wo das Auge reicht

Vor der fünften Runde diskutierten Fans bereits angeregt, welche Spezialgäste wohl noch am Soundclash auftauchen würden. Runde 5, «The Wildcard», wird schliesslich von seinen Überraschungsgästen dominiert, welche dem jeweiligen Team noch einen letzten Schub für das grosse Finale geben sollen. Badmómzjay legte vor mit einer starken wie breiten Überraschung in Form von Farid Bang, welchen man eher auf Seiten von Bozza vermutet hätte. Dieser lieferte neben Props für Badmómzjay und Disses gegen Sido und Bozza auch einige denkwürdige Lines:

»Ich bin nicht Hafti, aber back im Block / und mache einen Killer-Auftritt wie Travis Scott!»

Team Blau stand nun im Zugzwang, doch enttäuschte nicht ansatzweise. Bozza holte nämlich so viele Deutschrapstars auf die Bühne, dass man sich fragte, wer denn überhaupt noch für Badmómzjay übrigbleiben könnte. Den gefühlsvollen Beginn machte Adel Tawill, gefolgt von KC Rebell, Pajel, Summer Cem, Dardan und Nimo so wie auch Reezy, alle mit ihren grössten Hits im Gepäck. Badmómzjay zeigte sich unbeeindruckt und holte sich für den nächsten Song feminine Unterstützung in Form von Lune. Dazu gab es noch Sticheleien gegen Bozza, der im Gegensatz zu ihr die Gäste die ganze Arbeit machen liess. «Aber Digga, ich dachte, ich mach’ den Soundclash gegen dich?»

Unbeeindruckt zauberte Team Blau weitere Guests auf die Bühne. Mit Kitty Kat und Fler erinnerte Coach Sido an die legendären Royal Bunker-Zeiten und übersetzte diesen Vibe mit einer energetischen Performance auf die Bühne, bei der auch Bozza mitrappen konnte. Der Abend voller Überraschungsgäste und Wendungen lockte ebenso die wohl grösste, kontrovers diskutierteste Schweizer Künstlerin hervor: An der Seite von Badmómzjay performte Loredana einen bisher unreleasten gemeinsamen Song. Die Rapperin, beziehungsweise die zuständige Tontechnik, scheint aus ihrem Audiodebakel vom Red Bull Soundclash 2019 gelernt zu haben und wusste dieses Mal mit passender Stimmfrequenz sowie gezielten Disses zu punkten.

Alle Acts des Soundclashs auf einer Bühne. Bild: Laurent Noichl / Red Bull Soundclash

Und der Gewinner?

Wie immer beim Soundclash, kann jeder für sich selbst entscheiden, wer den Sieg verdient hat. Badmómzjay bewies erneut, dass sie eine von Deutschraps führenden Rapperinnen ist und neben ihrer musikalischen Stärke weiss, wie man eine Menge kontrollieren und anheizen kann. Dies ist umso beeindruckender, stellt der Soundclash für die 19-Jährige ihr bis dahin grösstes Konzert dar. Das gleiche gilt natürlich genauso für ihren Gegner aus Hamburg. Bozza konnte seine komödiantische wie diabolische Seite am Soundclash scheinen lassen. Ob die Veralberung ihres Liedes samt Konter mit der Neuinterpretation von «Das Urteil» oder einem gefühlvollen Medley, Fans konnten sich von Bozza's Versatilität an diesem Abend beeindruckt zeigen. In der letzten Runde «The Final» wurden die einzelnen Talente der Acts fusioniert, als die vier Rapstars auf einer Bühne zusammentrafen und ihren gemeinsamen neuen Song «Nie mehr zurück» präsentierten.

Nach Meinung der meisten Fans, welche uns am Ende begegneten, sowie auch unseres Instagram-Votings, geht das Battle an Team Rot. Für viele war Badmómzjay musikalisch überzeugender und interagierte stärker mit ihren wenigeren Überraschungsgästen. Abgesehen von einer fehlenden Zugabe wurde man als Deutschrap-Fan an diesem Abend kaum enttäuscht. Den von den Fans gewünschte «Arschf*cksong», welcher kein zweites Mal mehr gespielt wurde, hörte man die Fans auch nach Verlassen des Stadions noch lange singen. In Dortmund gingen die Lichter aus und das LYRICS Magazin stellte sich der kommenden Rückreise und einem eigenen Clash: Mit der notorisch verspäteten Deutschen Bahn.

Die ganze Show findest du hier:

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