Migo & Buzz «Warte uf ds Meer» Review
Thursday
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December
2021

Neues Album

Migo & Buzz «Warte uf ds Meer» Review

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Migo & Buzz «Warte uf ds Meer» Review

Luca Mosberger
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Migo & Buzz «Warte uf ds Meer» Review
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Das Berner Rapper-Producer-Duo Migo & Buzz meldet sich zurück mit einem neuen Album. «Warte uf ds Meer» ist ein anspruchsvolles Werk über die Sehnsucht nach Veränderung in einer Welt, in der sich das eine grosse Drohszenario an das nächste reiht.

Das Intro setzt den Ton für das ganze Album: Ein Funken Hoffnung in einer Welt, in der einem entweder nur Pessimismus oder das Ausblenden der Realität übrig bleibt. Mit bitterbösen und pointierten Zeilen kritisiert Rapper Migo auf dem ersten Song «Was chunnt nach morn?» gesellschaftliche Werte und zeichnet das Bild einer Welt, die unaufhaltbar auf einen Kollaps zusteuert. «Unterhaltig isch de Schlaf, wo de Igsperrte bliibt» ist eine seiner Beobachtungen. Doch ein Streifen Hoffnung bleibt am Horizont: «I chönnt mi au wegknaue / neh was no geit und mi wegknaue / doch i cha nid so tue als hättä mir kei Chance / hey i gloube an es Läbe nach morn.»

Das Underground-Duo bleibt mit ihrem Sound konsequent und mischt Live-Instrumente mit elektronischen Klängen. Die melancholischen Melodien von Buzz ergänzen die mit scharfer Beobachtungsgabe niedergeschriebenen Zeilen von Migo perfekt. Die bildhaft beschriebenen Orte, etwa wenn Migo auf «Lorraine» die Auswirkungen der Gentrifizierung auf sein Quartier beschreibt, lassen den Hörer die Szenerie vor dem inneren Auge sehen, auch wenn er noch nie da war.

Migo spielt auf intelligente Art mit Worten und behandelt gleichzeitig schwere Themen. Auf hohem lyrischem Niveau rappt der Berner über die erstickende Ungerechtigkeit und Ungleichheit der Welt, kritisiert die Selbstoptimierungstrends des Zeitgeists und den Leistungsdruck im heutigen Berufsleben. Entfremdet von den unauflösbaren Widersprüchen des Lebens bewegen sich die Lyrics zwischen tiefem Schmerz und ab und zu einem Schimmer Frieden, weil noch nicht alles verloren ist.

Das Warten auf das Meer ist mehrdeutig zu verstehen. Einerseits steht es im gleichnamigen Song auf das Warten auf etwas Besseres als die jetzige Tristesse. Doch das Meer ist auch etwas für uns Menschen Gefährliches. Sei es der ansteigende Meeresspiegel oder die drohende Rückbildung der Menscheit wie beschrieben auf dem «Zrügg ids Wasser»-Skit – auch hier spielt Migo mit den Wörtern und deren Bedeutungen.

Lichtblicke und Verschnaufpausen gibt es aber auf «Warte uf ds Meer» nur wenige. Die komplexen Lyrics über eine komplexe Welt machen die Songs alle sehr anspruchsvoll, Zeit um das Hirn abzuschalten geben und Migo und Buzz kaum. Einmal nicht genau hingehört, und schon hat man eine geniale Punchline verpasst oder nicht verstanden.

Einfach zu Hören macht es auch nicht Migos breite Kritik an der Gesellschaft, von der man sich als Hörer im Normalfall ebenfalls als Teil sieht und sich auch identifizieren kann als Teil eines der vielen von ihm aufgelisteten Probleme der Welt. So etwa das krampfhafte Festhalten an Privilegien oder das mangelnde Handeln gegen die Probleme dieser Welt, wie etwa der Klimawandel. Das Album am Stück zu hören ist insofern schwierig, weil es so viele Probleme und ungerechte Situationen der Welt aufgreift, dass es niederdrückend wirkt. Dennoch ist es inhaltlich, strukturell und musikalisch grossartig und bewegend.

«Warte uf ds Meer» ist kein einfaches, aber clever durchdachtes und kreatives Album, mit beiden Künstlern in Topform. Der Nachfolger der «Partys im Blauliecht»-Trilogie ist lyrisch etwas vom Stärksten, dass dieses Jahr erschienen ist.

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