S.O.S.-Fan mit 85 Jahren: Grossmutter rezensiert die neue EP von Dawill
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November
2019

Die etwas andere Review

S.O.S.-Fan mit 85 Jahren: Grossmutter rezensiert die neue EP von Dawill

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Die etwas andere Review

S.O.S.-Fan mit 85 Jahren: Grossmutter rezensiert die neue EP von Dawill

Damian Steffen
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S.O.S.-Fan mit 85 Jahren: Grossmutter rezensiert die neue EP von Dawill
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In Sachen Review scheiden sich oft die Geister. Was überkritische Journalisten denken und wie das Album schlussendlich in der eigentlichen Zielgruppe rezipiert wird, geht nicht selten meilenweit auseinander. Das Review zu Dawills neuer EP gibt’s deshalb aus einer anderen Perspektive: Die 85-jährige Ruth ist riesiger S.O.S.-Fan und sagt dir, was sie vom neuen Dawill-Projekt hält.

Vergangenen Freitag hat Dawill die sechs Tracks starke EP «432» gedroppt. Man wird das Gefühl, dass es sich um einen kleinen Restart in der Karriere des Dawilly Wonkas handelt, nicht los: Neuer Label-Deal, mehr Fokus auf eigene Projekte – schliesslich ist es bereits mehr als zwei Jahre her seit der letzten S.O.S.-Collab. Neue Wege werden gegangen, doch wie nimmt die eigene Fanbase das neue Projekt wahr? Passen die neuen Einflüsse aus UK, US und Karibik zu dem Dawill, den sie über die Jahre hinweg gefeiert haben?

Das fragen wir Ruth. Sie ist 84 Jahre alt, ist aber in Sachen Musik immer up-to-date. Vor allem S.O.S. haben es ihr angetan. Der Moshpit-Sound aus dem Club hat’s auch ins Wohnzimmer einer betagten Rentnerin geschafft. Bei der Frage, welcher denn ihr Lieblingssong aus Bern ist, funkeln ihre Augen und ohne zu zögern kommt die Antwort: «Yves Saint Laurent!» Sound, bei dem man abgehen könne, sei genau ihr Gusto. Ruth ist jung geblieben und kann dementsprechend mitreden, wenn es um Rap geht – auch wenn sie wohl nicht in die Hauptzielgruppe passt. Wir haben die rüstige Rentnerin getroffen, um mit ihr das neue Projekt von Dawill zu kommentieren.

«Ich mag Songs, bei denen alle voll abgehen können, harte Songs sind oft die besten. Er repräsentiert in diesem Track einen Lebensstil, den die Jungen heute so pflegen: Trinken, kiffen und so weiter.»

Schlamm

«Ein solider Track. Düster und aggressiv, so mag ich es. Ein guter Einstieg in die EP.»

«Etwas Härteres, das ist genau mein Stil. Aber verstanden habe ich jetzt gar nichts (lacht). Wahrscheinlich geht es um Gruppenzusammenhalt, oder?»

Er rappt wieder über seinen Lebensstil: Drogen, Alkohol, Gangs, aber auch Gewalt…

«Also das mit dem Kiffen finde ich gar nicht schlimm, ich habe zwar erst einmal gekifft, aber das muss jeder für sich entscheiden. Wo es aber bei mir zu weit geht, ist Gewalt. Es ist zwar interessant, dass Dawill Einblick in andere Lebenssituationen gibt, aber er sollte es nicht glorifizieren. Ich bin mir nicht immer sicher, ob Kinder solche Inhalte differenzieren können…»

«Ich bin nicht so festgefahren in meinem Geschmack. Wenn Autotune passend eingesetzt wird – warum nicht?»

«Ist ein ruhiger Song. So was würde bei mir als Background-Musik laufen. Der melodiöse Stimmeinsatz harmoniert mit dem Beat. Passt mir. Bis jetzt mein Favorit.»

Viele Leute finden Autotune als Stilmittel schlecht. Bist du Pro oder Kontra?

«Ich bin nicht so festgefahren in meinem Geschmack. Wenn Autotune passend eingesetzt wird – warum nicht? Bei ‘URM’ finde ich es gut umgesetzt, ist ein melodiöser Song, der gut ins Ohr geht.»

«Ach, ich wäre gerne in der heutigen Zeit noch einmal jung (lacht). Ich finde es wirklich toll, wie man sich heute selbstverwirklichen kann. Dieser Song verkörpert Freiheit, gefällt mir sehr gut.»

Was ist dir im Rap wichtiger: Die Musik oder das Lyrische?

«Der Text isch schon sehr wichtig, aber bei Dawill versteht man es oftmals nicht. Er redet ja Berndeutsch, oder? Wenn er dann mit englischem oder spanischem Slang um die Ecke kommt, wird’s kompliziert. Es ist aber trotzdem schön zu sehen, wie er Menschen trotz Sprachbarriere verbindet.»


«Sehr cool. Schnell und etwas aggressiv – das gehört für mich zum Rap. Ich mag Songs, bei denen alle voll abgehen können, harte Songs sind oft die besten. Er repräsentiert in diesem Track einen Lebensstil, den die Jungen heute so pflegen: Trinken, kiffen und so weiter. Ist alles okay, solange sie anständig bleiben… Aber Dawill ist ja ein Lieber.»


«Der Uptempo-Beat gefällt mir. Auch thematisch passt der Song zu Dawill. Ist doch schön, wenn sich Dawill so ausleben kann, wie er will, oder? Viele in meinem Alter mögen so etwas anstössig finden, ich finde aber die Botschaft im Track gut. Jeder soll machen, was ihn glücklich macht. Wenn Dawill mit seinen polyamorösen Beziehungen happy wird, ist das schön.»

Fazit: «An die alten Sachen kommt ‘432’ leider nicht. Da fehlt mir etwas die Härte – und Nativ. Ich mag den Sound, bei dem man mitschreien und abgehen kann. Das kommt auf der EP zu kurz. Mal abwarten, ob die Songs nach mehrmaligem Hören noch besser werden. In Schulnoten ausgedrückt wäre es eine solide Fünf. Damit kann man doch zufrieden sein. Die besten Tracks sind in meinen Augen ‘Polyamorie’ und ‘URN’.»

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