Ćevap-Connection – Schweizer Rap und der Balkan
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March
2019

Exklusiv-Auszug

Ćevap-Connection – Schweizer Rap und der Balkan

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2019

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Ćevap-Connection – Schweizer Rap und der Balkan

Ćevap-Connection – Schweizer Rap und der Balkan
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Ihre Biographien erzählen verflochtene Geschichten von Flucht, Asyl und Armut, aber auch von Aufstieg, Erfolg und Integration: Schweizer Rapper mit Wurzeln im Balkan. Im Magazin blicken wir auf die Einflüsse aus dem Osten Europas auf die hiesige Rap-Szene.

Bis heute ist der Balkan mit vielen Klischees behaftet: Menschen in der Schweiz denken an Baklava, Ajvar, Ćevapčići und eine Menge Kleinstaaten mit Konflikten. Was dabei jedoch vergessen geht: Die Schweiz, wie wir sie heute kennen, wäre ohne die Migration aus Albanien, Serbien, Bosnien, Kroatien und dem Kosovo nicht dieselbe. Genauso wichtig waren die Einflüsse auch für den hiesigen HipHop: Viele der prägendsten Künstler der Schweizer Rap-Szene haben Wurzeln in Südosteuropa. Es erzählen Bossnak und Milchmaa von ihren ersten Erfahrungen in der Schweiz.

Das «-ić»-Stigma und Integration

Der Churer Rapper und Freestyle-MC Milchmaa wurde in der Schweiz geboren, trotzdem war Jugoslawien in seiner Kindheit und Jugend omnipräsent. Seine Eltern waren Teil der ersten Auswanderergeneration, die bereits in den 1970er-Jahren in die Schweiz gekommen war. Seine Eltern bauten ein Haus in Serbien, planten dort ihre Zukunft. Die Arbeiterfamilie lebte in einer jugoslawischen Community in Chur: «Bis zum Kindergarten sprach ich kein Wort Deutsch», erinnert sich die Freestyle-Legende.Bis in die frühen 1990er-Jahre war die Einwanderung aus dem Balkan kein dominantes Thema in der Schweiz. Das änderte sich abrupt mit dem Kriegsausbruch. Auch Milchmaas Leben veränderte sich: Die Träume von der Zukunft in Jugoslawien lösten sich in Luft auf, die Familie musste sich mit einem Leben in der Schweiz arrangieren. Doch als «Jugo» in der Schweiz aufzuwachsen war nach den ersten Schüssen und Bomben nicht mehr so angenehm wie zuvor: «Der Krieg erfuhr ein enormes mediales Echo. Schnell verbreiteten sich die Stereotype, die ich als Kind dann zu spüren bekam». «Jugo» wurde zum Schimpfwort, der Balkan zum Synonym für Hass, Rückständigkeit und Krieg.

Auch Bossnak machte diskriminierende Erfahrungen: «In meiner Kindheit blieb ich vor solchen Stereotypen verschont – oder nahm sie ganz einfach nicht zur Kenntnis. Erst an meinem allerersten Schultag in Zürich wurde mir mein Migrationshintergrund bewusst. Bereits in der ersten Pause wurde ich von einem Mitschüler als ‹Scheissjugo› beleidigt.»Neben diesem expliziten Rassismus litten viele Menschen mit Migrationshintergrund auch unter Diskriminierung bei der Jobsuche: Menschen mit «-ić»-Kürzel wurden oft trotz tadellosen Deutschkenntnissen von den Arbeitgebern benachteiligt. Seine Erfahrungen mit Integration und Stereotypen schildert Milchmaa auf seiner Platte «-ić». Mal mit Humor, mal wütend, mal nachdenklich reflektiert er sein Schicksal als «Jugo» in der Schweiz.Hass und Schubladendenken der Mehrheitsgesellschaft waren und sind ein Problem. Bossnak möchte jedoch auch betonen, dass er in seiner Jugend nicht nur Ausgrenzung, sondern auch viel Unterstützung erfuhr. Die damalige Klotener Stadtregierung empfing die bosnischen Immigranten mit offenen Armen und sorgte mit Quersubventionen dafür, dass die Familien Campingurlaube im Tessin machen konnten.

Wie sich die Wahrnehmung von Balkan-MigrantInnen in der Schweiz verändert hat, wie sich die Situation im Kosovo verändert hat und was der Begriff «Heimat» bedeutet, erfährst du im neuen LYRICS Magazin. Erhältlich ab dem 29. März im Abo und im Einzelhandel.

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