18 Rapper kritisieren die Lebensumstände in der Türkei und gehen viral
Monday
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9
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September
2019

Korruption, Polizeigewalt, kaputte Umwelt

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18 Rapper kritisieren die Lebensumstände in der Türkei und gehen viral

18 Rapper kritisieren die Lebensumstände in der Türkei und gehen viral
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Eine Gruppe türkischer Rapper prangern das System ihrer Heimat an. Der Song stösst auf offene Ohren. Die Wellen, die «#SUSAMAM» gerade schlägt, sind so gross, dass sich Politiker der Türkei eingeschalten haben.

Über 16 Millionen Aufrufe hat «#SUSAMAM» bereits gesammelt. Der Clip bewegt Viele. Fast 200'000 Kommentare zählt die Kommentarspalte auf YouTube. Auf Twitter trendet der titelgebende Hashtag. Kurzum: Es wird gerade diskutiert. Nicht verwunderlich, bei der Brisanz der angesprochenen Themen.  

Was macht das Video zu «#SUSAMAM» so kontrovers?

Saniser, der Kopf der Gruppe, hat 17 Rapper um sich geschart, um der Welt ihr Bild von der Türkei zu vermitteln. Dieses ist aber nicht einmal im Ansatz schön anzusehen. Die Musiker prangern in einer Song-Laufzeit von einer Viertelstunde die Missstände im Land an: Gewalt, Korruption, Vetternwirtschaft, zerstörte Natur, unterdrückte Frauen und fehlende Demokratie sind nur ein Auszug aus der Themenbreite, welcher sich die Rapper angenommen haben. Übersetzt aus dem Türkischen heisst der Track «Ich kann nicht schweigen».

Hat der Track etwas ausgelöst?

Den über 1.4 Millionen Likes auf dem YouTube-Klicks und mehreren Zehntausend positiven Kommentaren zufolge, scheint «#SUSAMAM» vielen aus der Seele zu sprechen. «Ich bin voller Hoffnung, ich bin stolz und ich fühle mich wie innerlich gereinigt», schreibt beispielsweise die türkische Musikerin Sebnem Ferah.

Wie ist die Lage in der Türkei?

Die türkische Führungspartei AKP sieht sich durch den Song angeprangert und lässt vermelden, dass «#SUSAMAM» eine Destabilisierungskampagne von Regierungsgegnern sei. Der Clip birgt also reichlich Zündstoff für politische Diskussionen. Unsere LYRICS-Korrespondentin Dilara befindet sich gerade in Istanbul und berichtet, wie der Song in der Türkei angenommen worden ist:

«Gesprächsthema Nummer Eins ist «#SUSAMAM» unter dem Istanbuler Volk wahrlich nicht. Dass sich hier die Geister scheiden, ist nichts Neues, das Volk seit Jahren entzweit. Öffentliches Kundtun kritischer Meinungen ist in der Türkei nicht gerne gesehen, zu schnell wird man als Regierungsgegner, Sicherheitsgefährder oder gar als Terrorist eingestuft – und mit Bussen und Inhaftierungen in diesen Belangen wird nicht gegeizt. «#SUSAMAM» widerspricht der Erziehung des Vaters Staat in vielem: Der Track ist ausgesprochen kritisch und macht mittlerweile sogar international Welle.  

Aufgewachsen in einer demokratischen Familie, glaube ich noch an die Grundpfeiler eines modernen, säkularen Rechtsstaates, in dem Meinungsfreiheit garantiert ist. Auch wenn diese Meinung nicht dem Tenor entspricht und die Regierung nicht verherrlicht. Wer die vor kurzem stattgefundenen Bürgermeisterschaftswahlen mitsamt Wiederholungswahlen mitverfolgt hat, wird wissen: Istanbul hat sich gewagt. Hat gleich zweimal der regierenden AKP abgesagt, hat demokratisch vermittelt, dass es Zeit für Veränderungen ist. «#SUSAMAM» ist Ausdruck eines Umbruchs, der von der halben Türkei sehnlichst erwünscht und nun zumindest auch als möglich betrachtet wird.»

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