Schweizer Lo-Fi-Producer: 500k Hörer*innen, aber keine Aufmerksamkeit?
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September
2020

FRANZ, Pablo Nouvelle & Co.

Schweizer Lo-Fi-Producer: 500k Hörer*innen, aber keine Aufmerksamkeit?

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2020

FRANZ, Pablo Nouvelle & Co.

Schweizer Lo-Fi-Producer: 500k Hörer*innen, aber keine Aufmerksamkeit?

Tobias Brunner
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Schweizer Lo-Fi-Producer: 500k Hörer*innen, aber keine Aufmerksamkeit?
Quelle:
Instagram| @franzchesco
Stell dir vor, du hast internationalen Erfolg und keiner merkt es – genau so geht es diesen Schweizer Lo-Fi-Producern, deren Spotify-Zahlen so ziemlich jeden CH-Rapper überstrahlen.

Eine der seltsamsten und vielleicht auch schönsten Eigenheiten unserer Zeit ist der Umstand, dass man seine Musik bequem von zu Hause aus produzieren kann und damit im besten Fall weltweit gehört wird. Auch wenn Streamingdienste eher schlecht zahlen, bleibt es faszinierend, dass Artists eine halbe Million monatliche Hörer*innen haben können und sie trotzdem kein Mensch kennt - besonders wenn sie aus dem eigenen Land stammen.

Der Badener Beatbastler FRANZ oder auch Chésco Polo, wie er sich als Rapper nennt, ist ein Phänomen: Während die Zahl seiner monatlichen Spotify-Hörer*innen in diesem Sommer durch die Decke gegangen sind, bleibt er auf Social Media weitestgehend unsichtbar. Grund dafür ist wohl schlicht die Geschwindigkeit seines kometenhaften Aufstiegs: Mitte Juni wurde das Projekt vorgestellt und bereits einen Monat später hat Spotify überraschend die Single «Sims» in der Playlist Jazz Vibes ganz oben platziert.

Das Resultat waren Stand Ende Juli 130’000 monatliche Hörer*innen - eine beeindruckende Zahl, die im Folgemonat auf über 400’000 angestiegen ist und sich mittlerweile bei 520’000 eingependelt hat. Das alles lässt sich bestens auf seinem halbprivaten Facebook-Auftritt nachvollziehen, wobei auch der Hunde-Content überzeugt. Gleiches gilt für seine Instagram-Seite, die gerade einmal 550 Follower hat.

Nicht ganz unbeteiligt an dieser Erfolgsgeschichte ist Funky Notes, seines Zeichens Produzent aus Basel und Kollaborationspartner auf «Sims», der bereits einige Male auf Jazz Vibes platziert wurde und mittlerweile um die 580’000 monatliche Hörer*innen hat. Auch hier ist ein starker Kontrast zu seinen 4000 Facebook-Fans und den fast 1800 Followern auf Instagram erkennbar. Auffällig ist, wie international das Publikum der beiden Musiker ist - Städte wie Los Angeles, London oder Berlin stehen an der Spitze, was einer der Vorteile der Platzierung auf einer solchen Playlist ist.

Auch Ruck P findet in diesen Kreisen statt, wobei sich der Multi-Instrumentalist und DJ zumindest in der Schweizer Rap-Szene einen Namen gemacht hat und u.a. für Manillio, Nativ und Lo & Leduc produzierte. Zusammen mit Tommy Vercetti erschien 2018 die «Polarlos EP». In der breiten Öffentlichkeit ist er damit offenbar noch nicht angekommen - auf Facebook und Instagram hat er jeweils 2000 Follower. Dem gegenüber stehen beeindruckende 405’000 monatliche Hörer*innen und ein internationales Publikum auf Spotify. Zudem kann er bereits auf Hits ausserhalb der Spotify-Blase zurückschauen und war an der Produktion von Manillios «Monbijou» und «California» von den Delinquent Habits beteiligt. Letzteres ist mit 34 Millionen Views auf YouTube das meistgeklickte Video der amerikanischen Crew, für welches mit Tim Dürig ebenfalls ein Schweizer verantwortlich war. Ruck P überzeugt mit seinen Lo-Fi-Sounds, bleibt aber auch weiterhin dem Rap und klassischen Beats verpflichtet.

Bei Pablo Nouvelle, der irgendwie überall zu Hause ist, verhält sich alles etwas anders: So hat auch er sein musikalisches Schaffen mit dem Bauen von Beats begonnen, mittlerweile bewegen sich die Produktionen aber eher im Grenzgebiet von elektronischer Musik, Soul, Pop und ruhigem Piano-Sound. Die Zusammenarbeit mit Tommy Vercetti für dessen Album «No 3 Nächt bis Morn» ist entsprechend eine Brücke zwischen diesen zwei Welten.

Auch in Sachen Aufmerksamkeit sind deutliche Unterschiede zu erkennen – etwa bei seinem Social-Media-Auftritt, der mit knapp 21'000 Facebook-Fans und 7800 Instagram-Followern einfährt. Sein Spotify-Publikum - über 440'000 monatliche Hörer*innen - ist ebenfalls international, wobei der Impact vor allem im deutschsprachigen Raum und Mitteleuropa liegt. Beides lässt sich auf intensives Touren zurückführen, bei dem bereits eine beachtliche Fangemeinde entstehen konnte. Trotzdem fliegt auch Pablo Nouvelle bei uns mehrheitlich unter dem Radar – gerade im Vergleich zu CH-Top-Acts, die deutlich weniger Hörer*innen auf sich vereinigen können.

Der Zürcher Melodiesinfonie steht musikalisch ebenfalls zwischen den Welten, wobei Richtungswechsel nicht ausgeschlossen sind. Während man ihn vor wenigen Jahren noch stärker in die Elektro-Schublade steckte, ist der «ewige Senkrechtstarter», wie er 2016 von den SRF-Virus-Technoexperten Grüter & Bürgin bezeichnet wurde, mittlerweile wieder näher bei seinen jazzigen Wurzeln. Da er auch grössere Medien wie den Tages-Anzeiger auf sich aufmerksam machen konnte, verwundert es nicht, dass Melodiesinfonie auf 11'000 Facebook-Fans und 8'000 Instagram-Follower kommt. Verglichen mit seinem Streaming-Game – er nimmt mit 600'000 monatlichen Hörer*innen die Pole-Position unter den hier vertretenen Artists ein – sind das eher moderate Zahlen.

Auch scheint Melodiesinfonie den Underdog-Status so schnell nicht loszuwerden, was jedoch nicht zu seinem Nachteil sein muss. Dass seine Musik auf Spotify so gut funktioniert, liegt ganz einfach daran, dass er einen Nerv getroffen hat und so ebenfalls auf der Jazz Vibes Playlist gelandet ist. Entsprechend werden seine eingängigen Jazz-Sounds auch in Weltstädten wie Los Angeles, Tel Aviv oder London gehört. Dabei zeigt sich, wie wichtig Streamingdienste und deren kuratierte Playlisten für Künstler sind, die ihre Nische gefunden haben und nur darauf warten, sich der Weltöffentlichkeit präsentieren zu können.

Gut möglich, dass Melodiesinfonie bald noch stärker im CH-Rap-Kuchen ankommt - darauf lässt die Zusammenarbeit mit Buds Penseur deuten, über die wir bereits berichtet haben:

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