Schlagzeile um Schlagzeile: Berühmte Grössen zu kritisieren fällt leicht
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Drake wird auf 250’000 Dollar verklagt

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2020

Drake wird auf 250’000 Dollar verklagt

Schlagzeile um Schlagzeile: Berühmte Grössen zu kritisieren fällt leicht

Julia Tverskaya
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Schlagzeile um Schlagzeile: Berühmte Grössen zu kritisieren fällt leicht
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Fehlverhalten am Fliessband – wie auch im jüngsten Beispiel von Drake. Und trotzdem stellt sich hier die Frage, in wie weit man jemanden kritisieren kann, für den die Realität eine andere ist.

Drake wird auf 250 000 Dollar verklagt. Genauer genommen nicht nur Drake, sondern er und drei weitere Freunde - darunter auch Football-Star Odell Beckham Jr.
Grund dafür ist eine Auseinandersetzung, in die Drake und seine Begleiter verwickelt waren. So sollten Sie im März 2018 den ehemaligen Teilnehmer der Reality-Show «Love Island», Bennett Sipes, vor einem Club verprügelt haben. Die Prügelei soll für Sipes so gravierend gewesen sein, dass seine physischen und psychischen Verletzungen einen traumatisierenden Effekt auf ihn hatten. Die Schuld dafür wird wie erwartet hin und her geschoben.

Ok, eine Schlägerei mag jetzt nichts Neues und Bewegendes sein, trotzdem hinterlässt eine erneute negative Schlagzeile um Drake einen bitteren Beigeschmack. Manchmal scheint es so, als gelten für die Superstars andere Regeln als für Normalsterbliche - als würde ihnen diese Utopie einen gewissen Verlust des Realitätsbezugs abverlangen.  
Auch in der Deutschrap-Szene gibt es die altbekannten Gesichter, die es irgendwie nicht auf die Reihe bekommen und ständig mit dem Gesetz in Konflikt geraten. So heimste Gzuz neben seiner 1.5-jährigen Haftstrafe eine beachtliche Geldstrafe von 500'000 Euro ein.

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Solche Massnahmen werden vom Publikum begrüsst, da es für uns manchmal schwer nachvollziehbar ist, dass so ein Verhalten akzeptiert werden kann.
Vergisst man dabei auch, dass Künstler, unabhängig von Ihrem Metier, einfach einen anderen Alltag leben? Eine Realität, die für uns nicht greifbar ist – die uns einfach nicht tangiert.

Das Dasein eines Rap-Superstars kennt kaum Grenzen. Eine Welt, in der man sich nicht einschränken muss - in der der Reichtum mit jedem Atemzug nur noch grösser wird. Egal was passiert, es gibt nichts, dass nicht durch Namen oder Status geregelt wird. Wem Grenzen und Einschränkungen in einem normalen Tagesablauf fremd sind, der wird tendenziell auch im Hinblick auf seine Verantwortung oder sein Verhalten keine andere Rolle einnehmen.

Vielleicht verstehen es einige Künstler als eine ungeschriebene Regel, ein gewisses Verhalten für sich selbst zu definieren, nicht zuletzt um ihre eigene «Realness» zu beweisen.
Vielleicht versteht man irgendwann, dass man an einem Punkt angekommen ist, an dem Reichtum Macht und Privilegien bedeutet und die Verantwortung hingegen nur noch ein Begriff ist, der stark variiert.
Annahmen und Erklärungen, die für jemanden, der* täglich keine Berührungspunkte damit hat, nur bedingt nachvollziehbar sind. Und trotzdem gibt es die ungeschriebenen Regeln, die jedes Genre mit sich bringt. Wenn diese Standards zu Normen werden und einem den Alltag diktieren, so ist es irgendwie auch verständlich, dass man für den Rest der Welt keinen Sinn macht, aber in den eigenen Kreisen auf Verständnis stösst.

Dennoch ist anzumerken, dass nicht alles, das mit der Dekadenz eines höher gestellten Daseins unter den Teppich gekehrt werden kann, auch kopfnickend akzeptiert werden muss.
Jemanden zur Rechenschaft zu ziehen und einen Status-Quo zu kritisieren, sollte möglich sein. Schlussendlich ist jedes Handeln an allfällige Konsequenzen gebunden – egal ob man berühmt ist oder nicht.

Und die Moral von der Geschichte: Wer sich prügeln will, der prügelt sich.

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