Neuer Fake-Fall um Rekordzahlen von Newcomer? Warum die Klicks von Firat echt sein könnten
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War wieder ein Klick-Käufer am Werk?

Neuer Fake-Fall um Rekordzahlen von Newcomer? Warum die Klicks von Firat echt sein könnten

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War wieder ein Klick-Käufer am Werk?

Neuer Fake-Fall um Rekordzahlen von Newcomer? Warum die Klicks von Firat echt sein könnten

Neuer Fake-Fall um Rekordzahlen von Newcomer? Warum die Klicks von Firat echt sein könnten
Quelle:
YouTube
Den Newcomern Firat und Jamoo wird vorgeworfen, Klicks und Kommentare erworben zu haben. Seit der Reportage um den Klick-Hacker Kai haben nur wenige Verdachtsfälle dermassen grosse Aufmerksamkeit in den Sozialen Medien erzeugt.

Am vergangenen Freitag veröffentlicht, landete der Song «Vay Vay» der beiden Deutschrapper innert Kürze in den deutschen YouTube-Trends. Zunächst kein ungewöhnliches Phänomen, schliesslich gelangen solche Rekord-Würfe schon einigen Newcomern. Auffällig war jedoch die vergleichsweise tiefe Klickzahl auf dem Streaming-Riesen Spotify. Bereits am selben Tag äusserten sich auf eine Insta-Story von Firat Stimmen, wonach der 18-Jährige sowohl Klicks wie auch Kommentare gekauft haben soll. Dieser liess nicht lange mit einer Antwort warten und erklärte die unglaublichen Zahlen von YouTube-Analytics mit seiner riesigen TikTok-Gefolgschaft. Die Argumente für und gegen die Echtheitsgrundlage des Hypes halten sich in etwa die Waage.

Der Vergleich mit Übersee

Clo1444, ein Twitter-User, der in den letzten Monaten enorm an Reichweite zugelegt hatte, widmete sich den verdächtigen Zahlen der Newcomer. Zur Veranschaulichung legte er just die Zahlen von «Vay Vay» und Travis Scotts Megahit «SICKO MODE» nebeneinander. Damit verhärtete er den Kauf-Verdacht, denn Firat und Jamoos Song zählte nach 19 Stunden bereits mehr Kommentare als der Megahit nach über einem Jahr. Ein solches Verhältnis von Kommentierenden und Views ist weit und breit beispiellos und wirkt zunächst alles andere als glaubwürdig. Clo1444 mauserte sich mit seiner mittlerweile über 60 Parts starken Reihe «Deutschrap ist fresher denn je», bei der er mehr und weniger offensichtliche Biting-Fälle im Deutschrap aufdeckte, zum viel zitierten Internet-Experten in Sachen Fakeness im Deutschrap.

Doppelte Kommentare und neue Accounts

Wie ein Screenshot eines weiteren Twitter-Users zeigt, gingen viele identische Kommentare zu einer bestimmten Zeit von denselben YouTube-Accounts aus. Schaut man sich ausserdem die Profile der User an, die zum Release-Tag kommentierten, sind viele neu erstellte oder kaum aktive Accounts dabei.

Eine weitere Recherche von Clo1444 zu den Klickkauf-Angeboten lässt Firats verteidigende Posts erneut schwach aussehen: Dieser erklärte gegenüber seiner Fan-Community, dass man Views in der YouTube-Livestream-Premiere gar nicht kaufen könne. Clo1444 postete den Gegenbeweis.

Spotify aktualisiert Zahlen nicht in Echtzeit

Im Gegensatz zu YouTube, aktualisiert Spotify die Streaming-Zahlen nicht in Echtzeit. So stehen auch bei grossen Deutschrappern jeweils am Tag nach Release sehr tiefe Zahlen. Beispiel: Bei der neuen Single von Frankfurts Favorites Célo & Abi zeigte Spotify 24 Stunden nach Veröffentlichung «nur» 18'000 Plays an – Firat zählte zu diesem Zeitpunkt nur ca. 2'000 weniger. Dieses Argument von Clorona können wir deshalb leider nicht approven.

Werden die jungen TikTok-Follower unterschätzt?

Was man dem Newcomer Firat zu Gute halten muss, ist seine immense Präsenz auf TikTok: Mit seinen knapp 3000 viralen Videos erntete der Megainfluencer innerhalb eines Jahres über 2 Millionen Follower auf dem Videoportal. Seine Clips erreichen ähnlich beeindruckende Zahlen. Bei dem jungen und aktiven TikTok-Publikum kann davon ausgegangen werden, dass es in kürzester Zeit zu einer regen Aktivität mobilisiert werden kann.

Es ist also nicht undenkbar, dass viele dieser jungen Fans zu der grossen Anzahl an Kommentaren beigetragen haben. Ausserdem lässt sich die relativ tiefe Klickzahl beim Release auf Spotify damit erklären, dass der Streamingdienst die Zahlen in den ersten Stunden nicht in Echtzeit aktualisiert. Diese Hintergründe mildern die Vorwürfe und lassen dem Hype – ungeachtet der bestreitbaren musikalischen Relevanz von «Vay Vay» – wieder Glauben schenken.

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