Mauli über Jamal, Skor und Hainan
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April
2020

Meet CH-Rap

Mauli über Jamal, Skor und Hainan

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2020

Meet CH-Rap

Mauli über Jamal, Skor und Hainan

Moritz Wey
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Mauli über Jamal, Skor und Hainan
Quelle:
Michael Jackson Berlin
Im Rahmen der «Andorra»-Tour war Mauli zu Gast in Zürich, wo er als Support-Act für Fatoni auftrat. Kurz vor der Show widmete sich der selbstproduzierende Rapper und Live-Autotune-Enthusiast einigen Künstlern der Schweizer Urban-Musik-Szene.

2015 hatte er sich über einen kurzen Umweg durchs VBT von hinten an die Szene geschlichen und ihr mit «Spielverderber» rotzfrech den Spiegel vorgehalten. Selten wurden Newcomer und gestandene Rap-Grössen so dreist durch den Dreck gezogen. Selten war dies vor allen Dingen so unterhaltsam. Damit es funktionierte, machte sich Mauli mit einem sehr modernen Sound- und Charakterentwurf («Auf Parts habe ich keine Lust – dafür hab‘ ich geile Hooks») und einer herrlich selbstgefälligen Umsetzung einen Namen.

Mittlerweile ist der Berlin-Moabiter an einem ganz anderen Punkt. Sein von den Fans heiss erwartetes Album «Autismus und Autotune» (2018) präsentierte eine Art Verwandlung. Die arrogante Austeilfreudigkeit wich der Versöhnung und der ernsthaften Bezugnahme zu seiner Welt (Auf seiner Single «Sorry» entschuldigte er sich sogar bei seinen früheren Opfern). Statt den von morten produzierten, düster-rabiaten Trap-Bangern schraubte er eigene, in ihrer Detailverliebtheit kaum zu überbietende Klangteppiche mit dem Hang zu fröhlich-kindlichen Melodien, wie man sie aus alten TV-Serien kennt – und zwar nur, um sich in zähflüssigstem Autotune-Gesang langsam über diese elektronischen Soundwelten auszubreiten. Eine Neuerfindung, die alte Fans überforderte und neue begeisterte. Geblieben ist nämlich der löbliche Anspruch, sich vom groben Wurf der Szene abzugrenzen.


Von da an veröffentlichte Mauli wenige Singles, tat und tut seine Meinung im Podcast «Die wundersame Rapwoche» mit Deutschrap-Wegbereiter Marcus Staiger kund und tourte umher. Unter anderem als Vorgruppe von Fatoni beim Zwischenstopp in Zürich. Der äusserst freundliche Marius war spontan dazu bereit, sich über Schweizer Urban-Musik eine Meinung zu bilden. Dabei urteilte er über ausgelutschte Narrativ-Kopien der US-Rap-Szene, verliebte sich in einen Song eines Berner Mundartpop-Duos und blieb gewohnt schlagfertig.  

Stichwort Schweizer Rap – woran denkst du?

Im Moment eigentlich nur an Pronto. Das ist so der erste, den ich bewusst als Schweizer Rapper wahrgenommen habe, vor allem in den letzten Jahren. Ich meine klar, wieso sollte die Schweiz nicht auch moderne Künstler herausbringen – haben ja alle Internet (grinst). Mimiks gibt’s noch, oder?

LCone - «Scheissegal» feat. davey6000

Der hat gerade gesagt, er mache mit der Musik Zaster, richtig? Ich finde es eigentlich ganz interessant, dass ich mir die Aussagen so ein bisschen erarbeiten muss. Der Zweite hat besser geflowt, finde ich. Dadurch habe ich den Beat gleich viel moderner wahrgenommen. Der Erste kam mir mehr alte Schule rein, wirkte zu Beginn jedoch so ein bisschen wie eine Respektperson für den Zweiten. Erst als dieser seinen Part begann, merkte ich, wie krass der in seinem Element ist. Spätestens bei der Zahnbürste hatte er mich. Schon witzig wie sie da im riesigen Stadion aus dem kleinen Pappbecher trinken – du kriegst die Hood nicht aus ihnen raus, was? (grinst)

Pronto – «Push Talk»

Den kannte ich noch nicht von ihm. Zwar sehr kurz, aber sehr knackiger Streaming-Rap.

Skor - «I de Schwiiz»

Da hätte ich gerne mehr verstanden! Er wirkt auf mich wie jemand, der superlange dabei ist und respektiert wird, weil er sich einen Kopf um seine Texte macht – und auch wirklich was zu sagen hat, jedoch nicht wirklich davon leben kann. Verwundert nicht: Den Jugendlichen von Ängsten und Ziellosigkeit zu erzählen, erzeugt auch nicht den nächsten Kassenschlager.

Hörst du selbst melancholische Musik?

Klar, ich höre eigentlich fast nur Musik, die man alleine hört. Wobei vielleicht nicht gerade solche, die derart von Traurigkeit besetzt ist. Dann höre ich doch lieber, wie irgendein Rapper wieder nicht über seine Ex hinwegkommt (grinst).

JAMAL - «Was jetzt»

Finde ihn musikalisch bis jetzt am besten, inhaltlich aber sehr redundant. Das habe ich einfach schon viel zu oft gehört: Dieser zwiespältige Lifestyle-Talk über Drogen und Frauen, wo gleichzeitig alles in Frage gestellt oder bereut wird.

Aber kaufst du’s ihm ab?

Das weiss ich eben nicht. Ich will gar nicht darüber urteilen, ob er jetzt übertreibt oder nicht. Diese «More-Money-more-Problems»-Geschichten und diese «Bitte Gott vergib mir meine Sünden»-Phrasen verlieren dadurch, dass man sie im Ami-Rap gefühlt in jedem dritten Song hört, selbst wenn er sie todernst meint, ihren Effekt. Obwohl es musikalisch jetzt nicht krass heraussticht – dafür kommt zurzeit schlicht zu viel Musik dieser Art heraus –, ist es gut produziert und sein Stimmeinsatz gefällt mir echt gut.

Hainan - «Siedlig»

[Hook setzt ein] Wooow! Richtig geil. Ja super krass… Riesensong! [Holt Handy raus] Den muss ich mir speichern… Bis jetzt war ja nichts Superkrasses dabei… Aber das hier ist unfassbar.

Maulis Begeisterung für «Siedlig» hielt noch ein Weilchen an. In seinem Podcast-Format mit Staiger spielte er den Song ganz zum Schluss ab und verlor einige Worte darüber.

Apropos Podcasts: Vor einiger Zeit haben wir einige Rap-Podcasts vorgestellt. Hier geht's zum Artikel:

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