Eine HipHop-Fashion-Haterin erzählt, weshalb sie sich fremdschämt
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Eine HipHop-Fashion-Haterin erzählt, weshalb sie sich fremdschämt

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Eine HipHop-Fashion-Haterin erzählt, weshalb sie sich fremdschämt

Julia Ehrensperger
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Eine HipHop-Fashion-Haterin erzählt, weshalb sie sich fremdschämt
Quelle:
unsplash.com / Symbolbild
Ein Portrait über eine Person wie du und ich – nur mit dem Unterschied, dass sie etwas an deinem Lieblingsgenre stark zu bemängeln hat. Nämlich die Mode. Wir haben sie gefunden: Zoé, die ultimative HipHop-Fashion-Haterin. Ungefiltert berichtet sie, für welche Fashion-Fails sie sich täglich fremdschämt.

Name: Zoé
Alter:
25
Beruf:
Kaufmännische Angestellte
Hobby:
Bandleaderin
Lieblingskünstler:
Kendrick Lamar, Post Malone
Lieblings-Musikgenre:
HipHop, Pop

HipHop und Fashion

Die HipHop-Kultur fächert sich inzwischen immer breiter, der Begriff «Fashion» wird vor allem in den letzten Jahren grossgeschrieben.Trends, die der HipHop-Kultur entstammen, nehmen die Laufstege grosser Designer ein. Internationale Künstler wie Kanye West oder Rihanna prägen die Fashionwelt nachhaltig.

Kanye setzt Trends - auch mit seiner eigenen Brand "Yeezy".

Die Schweiz zieht nach

Trendsetting zieht. Mit Mode identifiziert man sich, alseine andere Art der Kunstform drückt man sich durch Kleidung aus. Mittlerweile beginnen auch hiesige Künstler, darauf zu setzen. Beispielsweise releaste Erfolgsrapper Pronto vergangenen Sommer seine erste Kollektion. Von Künstlern gesetzt, werden diverse Fashiontrends von den Fans gehyped und nachgemacht. Sie werden nur selten skeptisch abgelehnt. Jetzt aber packt eine HipHop-Konsumentin aus und erzählt, welche Fashion-Fehltritte sie generell total ankotzen. Ihrer Meinung nach könnte man nämlich getrost auf diverse Trends in der HipHop-Szene verzichten.

Möchtegern-Bronx

Generell habe Zoé ja nichts gegen HipHop und seine Kultur, beginnt sie das Gespräch und zündet sich bereits die zweite Zigarette an. Sie wirkt nervös, schliesslich bietet sich ihr jetzt gerade die einmalige Gelegenheit, endlich Dampf abzulassen. «Weisst du, ich mag Authentizität. Wenn mir in der New Yorker Bronx ein eingefleischter HipHop-Fan mit abgetragenen Schuhen und Oversize-Shirt entgegenkommt, finde ich das total okay. Ist ja seine Kultur. Aber hier in der Schweiz kann ich Grillz-tragende Männer mit verzupften Augenbrauen einfach nicht ernst nehmen.» Zoé richtet sich auf und kneift eindringlich die Augen zusammen. «Ich kann es nicht ertragen, dass hier alle HipHopper das Gefühl haben, sie kämen aus dem Ghetto. Fans, aber auch Künstler. Und dann damit beginnen, sich wie ihre grossen Vorbilder aus den USA zu kleiden. Schweizer Bünzli-Kiddies, die auf dem Zollikerberg aufgewachsen sind, aber jetzt auf Gangsta machen und am Zürcher Hauptbahnhof chillen. Schwierig und beschämend, dieser Realitätsverlust.»

Quavos legendäres Ice-Game wird zahlreich mit Fake-Bling imitiert.

Fragwürdige 90s-Wave

Zoé kommt in Fahrt, als das Thema auf die zurzeit wieder begehrten FILA Disruptor Schuhe aus den Neunzigern fällt. «Hast du mal deren Profil studiert? Sie erinnern mich einfach stark an reguläre Wanderschuhe. Mit denen könntest du jeden Berg besteigen und du würdest garantiert nicht stolpern», genervt schüttelt sie den Kopf. «Diese überdimensionalen Sohlen liegen aus irgendeinem– mir total unerklärlichen – Grund wieder im Trend.»

Generell sei ihr die aktuelle 90s-Welle der Rapper ein Dorn im Auge: «Das kann man ja mittlerweile gar nicht mehr ignorieren. Von Vintage-Band-Shirts über Dad-Shoes, eben bis hin zum Disruptor II.» Als einflussreiche Trendsetter in diesem Punkt nennt sie vor allem Deutschrapper wie RIN und Shindy.

Rap im 90's-Film. [Quelle: instagram/rintintin]

Wie sieht's bei den Frauen aus?

Nicht zu vergessen seien, laut Zoé, ihre weiblichen Genossinnen: «White Chicks, die sich in irgendeinem Schuppen die Haare zu Braids flechten lassen. Mit diesen bunten Strähnen drin. Ich erinnere mich an meine Kindheit, da war so was auch total cool.» Die 25-Jährige scheut sich nicht vor bildhaften Erläuterungen und fährt fort: «Dazu kommt noch diese viel zu schmale Sonnenbrille aus den 90ern, die jetzt wieder gehyped wird – bravo.»

Sie klatscht in die Hände.

«Damit sie endlich so aussehen, wie Aaliyah damals.»

Loredana setzt den "Sonnenbrillen-Trend" um. [Quelle: instagram/loredana]

Festivals werden zum Laufsteg

Anschliessend begründet sie, dass es generell die Individualität sei, die sie vermisse. «Alle Frauen sehen gleich aus! Braids, Bauchfrei, Bauchtasche, Netzstrümpfe, künstliches Muttermal über der Oberlippe. Jedes Tattoo, das Rihanna an den Fingern hat, tragen sie jetzt auch. Oder jenes zwischen den Brüsten.» Am besten könne sie diese Fashion-Fails jeweils an Festivals beobachten, wie zum Beispiel am Openair Frauenfeld, meint Zoé. «Ich werde einfach das Gefühl nicht los, dass ein Grossteil der Besucherinnen mit einem riesigen Koffer voller Kleidung anreist, um dann bei der Mainstage ihren Style zu präsentieren. Am besten on top mit einem dieser Fischerhütchen auf dem Kopf. Zudem geben sie sich gegen aussen ja all natural – aber mit aufgemalten Sommersprossen im Gesicht. Der totale Widerspruch in sich.»

Zoé spricht, last but not least, die trendige Radlerhose an. Keine der Frauen, die diese tragen, würden wohl eine Etappe bei der Tour de France hinter sich bringen, also sei dies wieder eine Authentizitätsfrage, meint sie. «Ich kenne keine Schweizerin, die einfach so auf die Idee gekommen wäre, sich diese Hose als Fashionstatement anzuziehen. Ist doch alles abgeschaut bei Kylie Jenner – die übrigens eine der wenigen ist, die das tatsächlich so tragen können.» Zoé selbst beschreibt ihren eigenen Kleidungsstil übrigens als eher simpel. «Ich würde nicht sagen, dass ich langweilig aussehe, nur weil ich all diese Trendwaves meide. Wenn ich will, kann ich durchaus gut aussehen, trotz normalen Jeans», ergänzt sie mit einem Augenzwinkern.

Radlerhosen sind das neue Fashion-Statement der HipHop-Community. [Quelle: instagram/sase_fu]

Eine Attraktivitätsfrage

Sie selbst zum Beispiel, fände einen Mann auch gleich viel interessanter, der sich selbst treu bleibt. Der HipHop zwar feiert, aber nicht jede Trendwelle mitreitet, erklärt Zoé. Das seien noch die Realen. Und diesen sei die Mode nämlich auch nicht so wichtig, was wiederum viel mehr Positives über deren Persönlichkeit aussagt. «Ich glaube einfach nicht, dass ein wahrer HipHop-Fan oder Rapper, der sich mit dem Genre und der Kultur auskennt undauseinandersetzt, jeden Shit-Trend mitmacht und dabei das Wesentliche vergisst: Die Musik selbst», räumt sie ein. «Die Echten denken weniger über neue Goldzähne nach, vermute ich. Eher über die nächsten Track Releases. Obviously.»

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