Wie sich US-Rapper in den Wahlkampf einschalten
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2020

Diddy gründet eigene Partei

Wie sich US-Rapper in den Wahlkampf einschalten

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2020

Diddy gründet eigene Partei

Wie sich US-Rapper in den Wahlkampf einschalten

Yannick Jauch
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Wie sich US-Rapper in den Wahlkampf einschalten
Quelle:
Trumps Politik und der von Chaos regierte Wahlkampf waren für Diddy genug. Das Rap-Mogul gründete seine eigene Partei. Aber auch andere Rapper*innen versuchen 2020 auf verschiedenste Arten Einfluss auf die Politik in den USA zu nehmen.

Rap und Politik haben eine spezielle Beziehung. Rapper*innen sind oftmals erste Kritiker*innen und Supporter*innen von US-Präsidenten, sonstigen nationalen und lokalen Politikern. Trotzdem finden sie in der nationalen Politik kaum statt. Einzig der unbekannte Ex-Rapper «AD the Voice», konnte bis jetzt eine wichtige Position in der US-Politik einnehmen. Unter seinem bürgerlichen Namen Antonio Delgado stellte er sich 2018 als demokratischer Kandidat für die Wahl ins Repräsentantenhaus auf - dank der Vergangenheit als Rapper wurde er auch gleich zur Zielscheibe seiner Gegner. Die Republikaner, die den bisherigen Amtsinhaber Joe Faso ins Rennen schickten, gruben für ihre Wahlwerbespots alte, provokante Lyrics von Delgado aus und versuchten so das Bild des üblen Rappers zu zeichnen - nützte alles nichts, Delgado zog trotzdem ins Repräsentantenhaus ein.

2020 ist alles etwas anders als sonst. Dank Corona ist gefühlt die halbe Welt lahmgelegt, Trump macht sich währenddessen mit seiner Covid-Politik kaum Freunde und wirkt im Umgang mit der Krankheit oftmals überfordert. Zudem hat er spätestens durch die BLM-Bewegung den Draht zu einem grossen Teil der Bevölkerung verloren - und anstatt zu versuchen, für Schadenbegrenzung zu sorgen und die USA zu einen, supportet er lieber Gruppierungen mit Hang zu Rassismus und giesst so noch mehr Öl ins Feuer. Klar, dass sich in diesen unsicheren Zeiten auch Leute ausserhalb der Politik genötigt fühlen, sich auf die in ihren Augen richtige Seite zu schlagen. Doch auch die Rapper*innen sind sich längst nicht alle einig. Und dank dem steigenden Einfluss von HipHop auf so ziemlich jeden Teil der Gesellschaft, versuchen auch einige Stars in die Wahlen einzugreifen.

Kanye West schaltete sich gleich aktiv in den Wahlkampf ein - denn für ihn sind sowohl Trump als auch Biden keine Option. Folge: Noch immer steht sein Name auf den Wahlzetteln. Noch immer macht sich Kanye Hoffnungen auf den Wahlsieg. Und noch immer tritt er dabei in Fettnäpfchen: Vor wenigen Tagen postete er Umfragewerte in Kentucky, in denen er Biden und Trump um 4 bzw. 17 Prozentpunkte abhängte - und feierte sich schon wie einen Sieger. Nur blöd, dass sich bald herausstellte, dass diese Zahlen aus einer nicht-offiziellen Test-Umfrage stammten und überhaupt nichts aussagten. Kanyes Chancen gewählt zu werden sind sowieso verschwindend klein. Der Rapper kann nur in 11 US-Staaten gewählt werden.

Mehr Rapper, die gerne US-Präsident wären, findest du hier:

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Weil auch Diddy mit keinem der zwei Hauptkandidaten Joe Biden und Donald Trump warm wird, gründet er kurzerhand seine ganz eigene Partei. Gemeinsam mit Aktivistinnen und Aktivisten ruft er «Our Black Party» ins Leben. Denn Diddy ist der Meinung, dass PoC in beiden Wahlprogrammen keine Beachtung geschenkt wird. Zudem warnte er in einem Interview von einem «Race War», sollte Trump wiedergewählt werden.

50 Cents Beitrag zur Präsidentschaftswahl ist da etwas passiver. Auf Social Media gab er eine Wahlempfehlung pro Trump ab. In seinen Augen ist entgegen der hiesigen medialen Meinung Joe Biden der Verrückte. Grund dafür ist eine angedachte Steuererhöhung von Grossverdienern. Heisst, ab einem Einkommen von über 400’000 Dollar sollen unter Bidens Präsidentschaft zwischen 55% und 62% versteuert werden. Dass das den kleinen Mann nur wenig interessiert und diese Erhöhungen nur einen kleinsten, elitären Kreis beträfen, scheint 50 Cent egal zu sein, die Empörung über die potenziellen persönlichen Abstriche ist zu gross.

Als letzter der Runde macht N.W.A-Legende Ice Cube gemeinsame Sache mit dem aktuellen Präsidenten. Obwohl er sich sein Leben lang gegen die «White Supremacy» und gegen Polizeigewalt ausgesprochen hatte, arbeitete er mit Trump einen Plan aus. Der «Platinum Plan» ist ein mehrjähriges Programm, das dafür sorgen soll, dass 3 Millionen Arbeitsplätze für Afroamerikaner*innen geschaffen werden. Ice Cubes Zusammenarbeit mit Trump kam aber nur mässig bei seinen Fans an. Der Rapper, der 2016 noch behauptete, nie mit Trump zusammenarbeiten zu wollen, wird als Heuchler bezeichnet und ihm wird Sell-Out vorgeworfen. In einem Interview erklärte Ice Cube deshalb seine Beweggründe.

Übrigens, das Wachstum des Einflusses von HipHop auf die Gesellschaft hat nicht nur zur Folge, dass vermehrt Rapper ihre Stimme und ihre Beziehung nutzen, um auch in der Politik ein Wörtchen mitzureden, auch die Politik findet immer mehr Gefallen an HipHop. So auch Trumps demokratischer Gegner Joe Biden, der für ein Kampagnenvideo die beiden Battle-Rapper Charlie Clips & DNA gewinnen konnte. Die beiden liefern sich darin einen politischen Acapella-Schlagabtausch.

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