Hainan: Schweizer Urban Music mit internationalem Flair
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December
2019

Acht Fragen für Hainan

Hainan: Schweizer Urban Music mit internationalem Flair

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2019

Acht Fragen für Hainan

Hainan: Schweizer Urban Music mit internationalem Flair

Hainan: Schweizer Urban Music mit internationalem Flair
Quelle:
Dominik Hodel


Hainan sind auf ihrer eigenen Wave. In einem tropischen Inselparadies haben sie ihren ganz eigenen Sound festgemacht. Irgendwo zwischen Club, Cloud-Rap, zeitgenössischer Pop-Musik und ganz viel experimenteller Energie findet sich Hainan. Anfang Dezember ist der erste Langspieler des Duos erschienen.

Was im ersten Augenblick nach einem erfrischenden Newcomer-Projekt klingen mag, sind de facto zwei Namen, die bereits einige Jahre in der Schweizer Rap-Szene mitmischen: Levin Dennler und Juri Mischler. Levin kennt man vor allem dank seiner Arbeit an CBNs hochgelobtem «Tourist». Juri kennt der geneigte CH-Rap-Fan vor allem mit seiner Crew Iwan Petrowitsch. Was die beiden aus früheren Projekten verbindet ist die Schwermütigkeit in Lyrics und Musik. Auf ihrem self-titled Album sind die beiden immer noch melancholisch. Auf romantische Art behandeln die beiden Mittezwanziger, was die Jugend bewegt: Rausch, Liebe und Schmerz.

Entstanden ist ein grosser Teil der Musik auf der chinesischen Insel Hainan. Der Kreativurlaub der beiden hat sich gelohnt: Der Sound klingt nicht nach den gängigen Schemen der hiesigen Szene. Auf einmal klingt Mundart nach Weltmetropole.

Wir haben dem Duo acht Fragen zu ihrem Debütprojekt gestellt.

Quelle: Dominic Hodel

Das Album klingt nach einer grossen Realitätsflucht ins Nightlife. Warum habt ihr dem Lifestyle rund um Parties, Drogen und flüchtigen Bekanntschaften so viel Platz auf dem Album gelassen?

Hainan: Es entspricht im Moment ein bisschen der Lebensrealität, die wir immer wieder beobachten und in die wir abtauchen.

Auf «Hainan» gibt’s zahlreiche Verweise auf Rauschmittelkonsum: Im Schweizer Rap ist Drogenkonsum, von Weed abgesehen, noch ein Tabuthema. Warum wolltet ihr dieses Muster durchbrechen?

Ich denke, wir machen keinen Rap, wir verorten uns eher im Pop oder im R’n’B und da ist es auch kein grosses Tabu. Es ist auch kein bewusstes Durchbrechen oder Glorifizieren, sondern ein Wiedergeben von gesellschaftlichen Verhältnissen.

«Credit Card, Helmut Lang, wiisi Linie»: Hainan auf ihrer Single «Lo Siento»

Auf «More Life» besingt ihr die Tristesse des Lebens. Warum ist das Leben so langweilig, wie geschildert?

Vielleicht führt die Übersättigung zu einer gewissen Leere und man hat dadurch das Bedürfnis, Gewohnheiten und Raster zu durchbrechen. Ich denke, das ist das Gefühl, welches der Song vermitteln soll.

«Siedlig», eine Hommage an eure Hometown: Warum ist eure alte Siedlung so wichtig, dass ihr diesem Quartier einen Song widmet?

Es geht eigentlich nicht um einen bestimmten Ort, sondern eher um «liminal spaces». Eigentlich kann da jede* reinlesen, was sie* will. Es ist ja auch ein Irrglaube, dass man Kontrolle über Sprache hat und Sachen genau vermitteln kann. Sprache ist etwas sehr Liquides und jeder Mensch assoziiert gewisse Ausdrücke anders.

Für Rap-Fans zu soft, für den Mainstream wohl zu experimentell: Für welche Zielgruppe macht Hainan Musik?

Es ist wohl gerade diese Lücke, in die wir passen, aber eine Lücke ist ja nicht gleichbedeutend mit Leere. Ich fände den Ansatz falsch, für eine Zielgruppe Musik zu machen, wir machen vor allem Musik, die wir selbst interessant finden und die uns gefallen könnte.

Euer Auftreten kann man eher in Kulturkreisen verorten als in der oftmals oberflächlichen Rap-Szene. Ist das eine bewusste Distanzierung?

Wir müssen uns gar nicht distanzieren, wir betrachten das Ganze auch viel offener und fühlen uns jetzt auch keiner Szene explizit zugehörig. Ich glaube, im letzten Jahrzehnt sind da viele ästhetische Grenzen verschwunden. Wir vermischen bewusst verschiedene Stilelemente und Referenzen.

Die Nightlife-Romantik in euren Texten erinnert – mich zumindest – an Künstler aus dem «Life from Earth»-Umfeld. Welche Haupteinflüsse würdet ihr für «Hainan» nennen?

The Beatles, Kanye, Frank Ocean, Falco, Leonard Cohen, Adele, Arthur Russell, Bad Gyal, Rosalia, Bea1991, Blood Orange, Caroline Polachek, Charli XCX, Cobee, The Strokes, The Libertines, King Krule, Bon Iver, Dawill, Anthony & the Lights, DJ Assault, Dua Lipa, Ariana Grande, FKA Twigs, Jay-Z, Lil Wayne, Ian Isiah, Jaco Pastorius, Jai Paul, James Blake, Jeans for Jesus, John Cage, Slowthai, Wiley, Lana del Rey, Yung Hurn, Young Thug, Baze, Greis, Vegyn, UGK, Ty Dolla $ign, Tyler the Creator, Radiohead, Tom Waits, The Dream, Tame Impale, Sophie, Sky Ferreira, Fugees, Beach Boys, Palmistry, Drake, Migos, MGMT, Majid Jordan, Arca, Billie Eilish, Amy Winehouse, Björk, 21 Savage, Cardi B, The Clash, The Cure, David Bowie, Haiyti, Jacques Brel, Stereo Luchs, Jorja Smith, King Princess, Mark Ronson, Lorde, PNL, Lil Baby, Rammstein, Sevdaliza, Shygirl, Tirzah, Tierra Whack, Triad God, Lil B.

Auf dem Projekt zeichnet ihr mit den Worten sehr lebendige Bilder: Welches ist eure Lieblings-Line?

Mir si id dr City, fahre dür di City, Girl

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Quelle: Dominic Hodel

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