Gefährliche Entwicklung? Spotify bietet Promo-Platzierungen an
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November
2020

Neues Feature beim Streaming-Giganten

Gefährliche Entwicklung? Spotify bietet Promo-Platzierungen an

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Gefährliche Entwicklung? Spotify bietet Promo-Platzierungen an

Damian Steffen
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Gefährliche Entwicklung? Spotify bietet Promo-Platzierungen an
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Photo by Agê Barros on unsplash.com
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Musiker*innen können künftig Promo beim Streamingdienst Spotify buchen. Das angekündigte Tool ist jedoch schon vor seinem Launch umstritten.

Es hört sich nach dem perfekten Karriereboost an: Spotify platziert deine Musik irgendwo in den hochkomplexen Wirrungen ihrer undurchsichtigen Algorithmen und du bekommst deine langverdiente Aufmerksamkeit. Spotify hat am zweiten November mit dem «Discover Mode» ihr neues Feature angekündigt. Kurz erklärt: Spotify bietet gegen ein Entgelt an, Musik in den Autoplay- und Radio-Funktionen zu platzieren.  

«[Radio and autoplay] are a pretty significant chunk of listening on the platform: the place where a lot of music discovery is happening.» (Charleton Lamb, Product Marketing Lead bei Spotify)

In der Pressemitteilung des Streaming-Giganten wird die Promo-Platzierung mit Zahlen schmackhaft gemacht. Spotify rechnet vor: Monatlich werden über 16 Milliarden einzelne Künstler*innen (!) über die personalisierten Empfehlungen im Radio-Modus und Auto-Play empfohlen und dadurch zum ersten Mal angehört. Der Algorithmus, der deinen Musikgeschmack vermutlich besser kennt als du selbst, analysiert deine Lieblingsgenres, deine Lieblingsartists, die musikalischen Elemente deiner Lieblingssongs, deine Hörgewohnheiten und hunderte andere Faktoren, um dir Songs zu zeigen, die genau deinen Vibe treffen. Für Newcomer ist dieses Feature natürlich höchst attraktiv, da die neu angeworbenen Konsument*innen vermutlich bereits Fans derer Musik sind - ohne es zu wissen.

Quelle: Spotify

So traumhaft die Idee klingen mag, ist sie aber nicht. Für die Platzierung im Algorithmus beansprucht Spotify einen Teil der Streaming-Einnahmen. Konkrete Zahlen liegen zurzeit noch nicht vor.

Warum die Kritik?

Spotify steht seit Jahren in der Kritik für ihre tiefen Pro-Stream-Auszahlungen. Vor allem für nationale Künstler*innen ist das Spotify-Mulah oft nicht viel mehr als ein kleiner Zustupf. Gestandene Acts wie Nativ oder Tommy Vercetti haben sich bereits in Vergangenheit dazu entschieden, ihre Werke erst Monate nach Release auf den Streamingdiensten zu veröffentlichen. Das neue Feature von Spotify dürfte die Auszahlungspolitik nicht verbessern – eher im Gegenteil. Auf Twitter wird bereits spekuliert, dass mit dem «Discover Mode» versucht werde, die «pay per stream»-Rate noch mehr zu drücken. Das mag für international gefeierte Major-Acts kein Problem sein, aber die sowieso bereits geknüttelte Schweizer Kulturszene dürfte ihre liebe Mühe damit haben.

Bereits letztes Jahr litten Schweizer Artists unter den Entscheidungen von Spotify: Im Interview mit Yanik Stebler, A&R, haben wir damals ausführlich über die Playlisten-Politik gesprochen.

[artikel=1]

Was ist gefährlich am neuen Spotify-Feature?

«The streaming service is already unequal and with this ‘experiment,’ it's going to become even more skewed in Spotify's favor as the company is effectively making artists and labels pay to access their listeners.» (Mehreen Kasana, Journalistin für input)

Kritiker*innen wittern bereits die neuste Form von Chart-Manipulation. Musikrechtsaktivist David C. Lowery bezeichnet das neue Feature als Form der Payola (Schmiergeld, mit dem Radio-Airplay eingekauft wurde). Neben dem Kampf um Hitparadenplätze wirft das neue Promo-Tool aber weitere wichtige Fragen auf: Was geschieht mit Acts, die sich nicht dem tieferen Tarif bücken wollen? Werden Sie weiterhin in der Radio- und Autoplay-Funktion gespielt? Wird es bald zum unverzichtbaren Way-To-Go für Künstler*innen? Wenn alle Artists die Funktion eingeschaltet haben: Bleiben die Streams dann nicht auf dem gleichen Level – nur schlechter entlöhnt?

Mehr darüber, zu welchen unsauberen Mitteln die Labels greifen im Kampf um die Chartspitze: 

[artikel=2]

Die Testphase startet

Noch vor Anbruch der Experimentierphase ist die Kritik bereits laut. Spotify wolle den Service weltweit auf den Markt bringen, momentan laufen aber noch Tests mit ausgewählten Partnern in den USA. Bereits jetzt hat Spotify aber angekündigt, dass weitere Promo-Platzierungen auf dem Streamingdienst folgen sollen.

Was blüht den Konsument*innen?

«Listener satisfaction is our priority — we won’t guarantee placement to labels or artists, and we only ever recommend music we think listeners will want to hear.» (Pressemitteilung Spotify)

Wenn du dir gerade ausmalst, wie dein Autoplay in Zukunft von – sagen wir mal unausgereiften – Newcomern und Wack-MCs zugemüllt wird: Spotify gibt Entwarnung. Songs, die bei der Audienz nicht allzu positiv angenommen werden, verschwinden auch früher oder später aus der Rotation.

[artikel=3]

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