FHG feat. Juan & Patrón Camarón
Thursday
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April
2020

Track

FHG feat. Juan & Patrón Camarón

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16
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April
2020

Track

FHG feat. Juan & Patrón Camarón

Yosina Koster
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FHG feat. Juan & Patrón Camarón
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Quelle: Instagram / fhg.bern
In ihrem neuen Track «Esolution» sagt die Fischermätteli Hood Gäng zusammen mit Juan und Patrón Camarón der Esoterik-Bewegung den Kampf an. Molotovs statt #selfcare - oder beides zusammen? Die Berner Crew ruft zur Esolution auf und hält dem Trend der Selbstoptimierung den Spiegel vor.

Wie oft hast du während der Coronazeit den Satz gehört, man soll die Zeit zuhause nutzen, um sich selber etwas Gutes zu tun, zur Ruhe zu kommen und sich weiter zu entfalten? Der Hype der Selbstoptimierung hat sogar schon vor dem Virus angefangen. Esoterikmärkte boomen, Motivationscoaches füllen grosse Hallen und auf den sozialen Medien wimmelt es von #selfcare.
Wer vom Hype um das eigene Wohlbefinden nicht mitgerissen wird, wird davon wohl eher genervt sein. Ja, Sarah, wir wissen, dass du gerade Hülsenfrüchte entdeckt hast — durch eine Influencerin.

Das Gegenmittel gegen den Eso-Trend kommt aus dem Berner Fischermätteli

Für alle, denen der Selbstoptimierungs-film aus dem Hals hängt, gibt es jetzt ein Gegenmittel: Der neuste Track aus dem Berner Fischermätteli sagt der Esoterik den Kampf an. Gemeinsam mit Juan und Patrón Camarón zieht die Berner Crew FHG die Meditationsjünger und Burnoutjäger ins Lächerliche. «Ig entfesslä mi Geist mitme Sellerieshake usemne Gheimrezäpt vom Norde vo Teheran.» Klingt das nicht verdächtig nach Insta-Freunden, die ihr kennt?

«We vom Chef idr Nacht es Mail chunnt dasser d'Mappe C brucht schribi okiedokie»

In der Hook nimmt der Track jedoch plötzlich an Fahrt auf. Aus «Ig bi es Mandala - u ds zeichnet mi us» wird «Morn steit Schädutrouma i dim Horoskop». Auf die ruhigen Verses folgt ein unerwarteter Turnup. Das Esoterik-Sujet wird beibehalten, doch jetzt kommen die wahren Emotionen an die Oberfläche. Frustration und Wut lassen sich eben doch nicht ganz wegmeditieren. Die Hook ist ein erfrischender Kontrast zum ewigen Nettsein.

Nichtssagend und gestellt - das Leben als Stockvideo

Begleitet wird der Track von einem genauso einfachen wie genialen Video. Die Verses, in denen den Selbstoptimierungsfans mit sanften Stimmen ein Spiegel vorgehalten wird, sind unterlegt mit passenden Stockvideos. Unrealisitisch schöne Menschen und Büros, Fake Smiles und Landschaften - genau so nichtssagend und gestellt wie die Zurschaustellung der Eigenliebe. «Ig schläcke a mim Sauzstei - u hoffe es bringts.»

«Boxä di Chopf biser offe für aues isch»

Ganz anders sehen die Bilder im Video aber während der Hook aus. Der Mix aus Strassenschlachten mit der Polizei, Failvideos und Molotovs passt perfekt zum Ausbruch vom Frust, der sich ansammelt, wenn man etwas über den Tellerrand der eigenen #selfcare hinausschaut und sich mit den Ungerechtigkeiten der Welt auseinander setzt. Mit Ansagen wie «Zündä Räucherstäbli wine Molotov» rufen die Berner zur Esolution aus. Revolution durch Meditation, wenn man also schon so viel Zeit in Optimierung investiert, dann wenigstens für einen grösseren Zweck.

«Iz luegi zersch mau chli zu mir. U weni fertig bi no chli zu mir. Aber när solidarisieri mi - würklech»

Wann solidarisieren wir uns, wirklich?

Patrón Camarón fasst genau das sehr gut zusammen: «Iz luegi zersch mau chli zu mir. U weni fertig bi no chli zu mir. Aber när solidarisieri mi - würklech.» Bevor wir uns also alle wieder selber auf die Schultern klopfen, weil wir fürs Pflegepersonal vom Balkon runter geklatscht haben, sollten wir uns vielleicht fragen, was wir denn effektiv bewirken mit der Energie, die wir in den Optimierungsprozess stecken. Wählen wir die Politiker, die sich effektiv für die Bedürfnisse der Menschen im Gesundheitssektor einsetzen? Setzen wir uns ein für die Geflüchteten in Griechenland oder kaufen wir immer noch Orangen aus einem Land, das nach wie vor die autonome kurdische Region Rojava unrechtmässig besetzt und dadurch Corona-Nothilfe verhindert?
Klar, sich mit diesen Themen zu befassen ist anstrengend, aber so sieht die Realität aus, wenn man über den Rosenquarzstein hinweg schaut. Und da darf man auch mal frustriert sein: «Boxä di Chopf biser offe für aues isch» statt #goodvibesonly. So oder so - Viva la Esolution!

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