Ein Brief vom Fempop Magazin an die toxische Männlichkeit
Thursday
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8
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August
2019

Rap & Sexismus

Ein Brief vom Fempop Magazin an die toxische Männlichkeit

Thursday
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29
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August
2019

Rap & Sexismus

Ein Brief vom Fempop Magazin an die toxische Männlichkeit

Ein Brief vom Fempop Magazin an die toxische Männlichkeit
Quelle:
Feggy Min

Du bist überall und doch nirgends konkret zu verorten. Immer wieder schleichst du dich ein oder an: In Gesprächen, in Alltagssituationen oder zu Hause. Du hemmst meine Sprache und bringst mich dazu, meine Gefühle zu verschleiern. Weil (taffe) Jungs dies doch tun, weil wir doch diesem einen Bild gerecht werden müssen. So werde ich zur Marionette und trage Masken einer konstruierten Männlichkeit.

Wie es mir geht? Eine scheinbar simple Frage, die nicht selten in einem kleinen Theaterstück endet. Ich, der Protagonist, versuche keine Schwäche zu zeigen, wenig preiszugeben. Taff sein, nicht aus der Rolle fallen. Doch wie sieht es in mir drin aus? Was bleibt übrig, wenn ich die Masken und Schleier ablege? Bin ich nicht auch manchmal traurig, innerlich zerrissen, verzweifelt und überfordert? Bin ich nicht auch geflasht von den kleinen, simplen Dingen, von der Schönheit von scheinbar Nebensächlichem, von der Vertrautheit einer funktionierenden und respektvollen Beziehung mit meiner Partnerin oder meinem Partner? Doch wie komme ich dahin? Was tun?

Wir wünschen uns den Mut, gängige Rollenbilder zu reflektieren

Brecht mit den Konventionen, liebe Rapper. Sprecht weniger über Statussymbole und Eroberungen, weniger über Drogen und die neusten Markenklamotten. Wir wünschen uns weniger «Was für eine Party, Geldregen fällt. Steh’ vor meinem Spiegelbild und wichse auf mich selbst. Will Ferraris, schwarz, rot und in gelb», weniger «Sag der zugekoksten Bitch, ich will mein‘ Blow. Sag den Hurensöhnen, ich bin der Baron». Wir wünschen uns mehr Lyrics wie in «Geh ran», wie in «Welt der Wunder» oder in «Ziitreis». Wir wünschen uns den Mut, gängige Rollenbilder zu reflektieren, einengende Normen zu thematisieren und sich der Herausforderung zu stellen, seinen – vielleicht mal etwas anderen – Mann zu stehen. Sprecht über echte Gefühle, auch unangenehme Empfindungen, verborgene Gedanken und innere Sehnsüchte und Zerrissenheiten. Worte sind Macht, und Macht hat, wer gehört wird. Wir wünschen uns Buben, Jungs und Männer, die sich ihrer Gefühle bewusst sind (und bewusst sein dürfen!) und sich nicht scheuen, darüber zu sprechen. Weil «Wie geht es dir?» und dessen Antworten eigentlich keine Floskeln sein sollten.

Cécile & Rahel, www.fempop.ch

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