Die drei CH-Rap-Alben mit den höchsten Review-Wertungen
Wednesday
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9
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September
2019

Seit 2017

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Die drei CH-Rap-Alben mit den höchsten Review-Wertungen

Die drei CH-Rap-Alben mit den höchsten Review-Wertungen
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Welche Alben haben geprägt? Welche sind gefloppt? Für vier Jahre hat die LYRICS-Redaktion Alben im Print-Magazin rezensiert. 2017 wurde das Flammen-Rating eingeführt. Wir blicken zurück auf die Werke mit den höchsten Noten, welche unsere JournalistInnen vergeben haben. Sind die am höchstbenoteten wirklich zu den prophezeiten CH-Rap-Klassikern gereift?

Wer sich nicht zum Kreis der LYRICS-Abonnenten zählen kann, dem mag der Begriff «Flammen-Rating» fremd sein. Kurz erklärt: Analog zu den Schulnoten bewertet die LYRICS-Redaktion mit ihrem Fach- und Hintergrundwissen die Alben der namhaften und berichtenswerten Schweiz-Rap-Riege. Je besser, desto mehr Feuer gibt es. Auf die Höchstbewertung von sechs Flammen hat es bis heute erst Einer geschafft.

Anzumerken ist, dass eine Review eine subjektive Einschätzung einer Person ist. Neben objektiven Standards lassen JournalistInnen auch ihre eigenen Messlatten und Erwartungen einfliessen. Dass nicht bei jedem Album mit gleichen Massen bewertet wird, ist die logische Konsequenz.  

Hier kommen die am höchsten ausgefallenen Reviews aus den letzten zwei Jahren. Kritisch, wie man LYRICS kennt, hat es nur drei Alben gegeben, welche 5.5 Flammen oder eine höhere Wertung erhalten haben.

[2] Migo & Buzz – «Partys im Blauliecht 3»: 5.5 Flammen

Vielleicht ist die Wahrnehmung, dass es in letzter Zeit üblich ist, den Einheitsbrei neu anzurühren, oder die Tendenz aufstrebender Künstler zur Inhaltsverdünnisierung der Grund dafür, dass sich dieses an einem Mellow-Sonntag und nicht an einem Turn-Up-Freitag erschienene Album wie ein besonders willkommener Gegenwind anfühlt. Ja, womöglich spielt da auch mit, dass Migo & Buzz nach wie vor keine Vermarktungsstrategien fahren und ihre Fan-Beziehungen auch nicht mittels Instagram-Storys binden. Etwas abgedroschen könnte man sagen: Sie lassen die Musik für sich sprechen. Zu Recht, denn «Partys im Blauliecht 3» ist ein Album zum Eintauchen mit einem Narrator, der den Zuhörer fesselt. Dieser Kosmos öffnet sich nur, weil sich sämtliche Aspekte – vom Erzählstil über die Herangehensweise der Themen bis zu den Beats – unverwechselbar anhören. Dabei erfinden sie sich nicht neu, sie verfeinern nur ihr bisheriges Können: Geschickt dreht Migo Redewendungen und Alltagsbilder mitsamt den sich darin spiegelnden Erwartungen der Gesellschaft so um, dass man aufhorcht und innehält. Die breitgewählten Soundstimmungen funktionieren in sich und die Refrains betören, ohne der Radiologik zu entsprechen. Migo & Buzz gewinnen an Reife, ohne gezielt erwachsen zu wirken oder an Frische einzubüssen. «Partys im Blauliecht 3» ist die Essenz ihrer Fähigkeiten, überzeugt auf allen Ebenen und zeigt, dass sie vieles können. Ein Album muss dies aber nicht. Etwas mehr Reduktion – zum Beispiel mit dem Verzicht auf die weniger anspruchsvollen Songs – hätte das Album locker zum runden CH-Rap Meilenstein machen können. Damit wäre aber unweigerlich der ursprüngliche, auf vielseitige Weise berauschende «Partys im Blauliecht»-Spirit verloren gegangen. Und das wollen wir dann doch nicht. So ist «Parties im Blauliecht 3» schlichtweg die Krönung des Hattricks und damit genau das, was sich ihre Hörer wünschten.

Text: Moritz Wey

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[2] davey6000 — «nashville»: 5.5 Flammen

Die nashville EP zeigt, dass davey6000 einer der talentiertesten Musiker der Schweiz ist. Der Luzerner verfügt über ein unglaublich ausgefeiltes Gespür für Melodien und kann wie kein anderer aktiver Mundartkünstler Zeitgeist-Phänomene, in einzelne Zeilen heruntergebrochen greifbar machen. Trotz des lyrischen Könnens vergisst davey nicht, der Musik genügend Raum zu lassen, womit ihm der Spagat zwischen lyrischer Dringlichkeit und musikalischem Vibe gelingt – ein Unterfangen, an dem die meisten MundartsängerInnen und – RapperInnen scheitern. Die fünf Songs auf der EP ergeben einen bittersüssen Cocktail aus melancholischen Vibes, sphärisch weichen Melodien und bissigen Lyrics. Das mit dem Werk abgedeckte Mood Board ist gross, da dank der musikalischen und thematischen Vielfalt verschiedenste Gefühlslagen abgeholt werden können. Der Track «200», welcher der generischste auf dem Tape ist, wartet mit zwei Features auf, die sinnbildlich für daveys Karriere stehen. EffE, seit zehn Jahren bekannt für seine Musik, hat den Luzerner wohl schon vor seiner Marash & Dave-Zeit als Neuling Young Lowflow gekannt, was die Beständigkeit daveys Schaffens unterstreicht. Jamal, vielversprechendster Newcomer der aktuellen Schweizer Szene steht für die Akzeptanz, die Schweizer Rap heute erhält und die sich davey6000 nun, allerspätestens mit der nashville EP verdient hat. Produziert hat das Werk, dem man nur abschlagen kann, dass es zu wenig Songs bietet, der momentan fleissigste Produzent des Landes; Chekaa.

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[1] Pronto — «Europe»: 6 Flammen

«Dini Bitch isch uf Trap nur wägem Ni***» – und da hat Pronto, der 2016 mit «Clean» den ersten Trap-Hit-Export lanciert hat, gar nicht einmal so unrecht. Der Solothurner verkörpert seither die Schweizer Newschool-Wave. Sein langerwartetes Debutalbum ist im Dezember ohne Vorankündigung erschienen – und konnte auf Anhieb überzeugen. Tiefen scheint es dabei einzig in seiner Stimmlage zu geben, ansonsten zeichnet «Europe» das Bild eines jungen Mannes, der tatsächlich schaffen könnte, was keiner glaubt: Als Schweizer Rapper in «Europe» Fuss zu fassen. Wer mit der prontonischen Ausdrucksweise vertraut ist, der geniesst das Privileg, sich ab dem zweiten Durchhören tiefer mit den Weisheiten des 419ers auseinandersetzen zu können. Prontos unklare Artikulation erlaubt die Anwendung gebogener, langgezogener oder melodischer Reime, wodurch Prontos textliche Entfaltung mehr Freiraum erhält. «Europe» eröffnet dem Hörer die Welt eines jungen Menschen, welcher die Liebe zur Familie, den Freunden und dem eigenen Business aufs Höchste zelebriert. Schenkt man ihm Glauben, lebt Pronto ein an Spitzbübigkeit kaum zu überbietendes Königsleben. Musikalisch sorgen langgezogene Synthies oder Pianomelos für den Flavour und kleiden «Europe» dementsprechend atmosphärisch. Klassische TR-808-Kicks werden gezielt eingesetzt und geben den Songs die richtige Dynamik und den nötigen Punch. Astrein und sauber von Pronto persönlich produziert, laufen die Beats wie Öl durch eine Fritteuse. «Europe» – ein Tutorial für die Zukunft und ein Grund mehr, weshalb Schweizer Musik bald Landesgrenzen sprengen kann.

Text: Valentin Steinmann

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