Der Song von Steffi Buchli zerreisst mich innerlich
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2020

Kolumne

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Der Song von Steffi Buchli zerreisst mich innerlich

Luca Thoma
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Der Song von Steffi Buchli zerreisst mich innerlich
Quelle:
YouTube
«Trotz em C!» triggert bei mir die Spannung zwischen dem inneren HipHop-Polizisten und dem Anspruch, dass Rap eine Spielwiese bleiben darf.

«Heilige Mutter Gottes, was war das denn bitte?», fragte ich mich, nachdem ich mir den neuen Song von Steffi Buchli zu Gemüte geführt hatte. Schon lange hat mich kein Song mehr auf eine derart ambivalente Art getriggert: Darf ich das gut finden? Ist es irgendwie verwerflich? Ist es funny? Oder ist es einfach nur Trash?

Gehen wir zum Tatbestand über: Der Song «Trotz em C!» ist eine Pop-Rap-Mélange und in seiner Machart eher ein Gag als ein Kick-off zur Rap-Karriere der sympathischen Sportmoderatorin – aber ein Gag, der mit etwas Glück und dem richtigen Momentum durchaus im Radio laufen dürfte. «Move your Füdli» lässt grüssen.

Inhaltlich nimmt Buchli die allgemeine Hänger-Stimmung im Seuchenjahr 2020 auf’s Korn und motiviert ihre Hörer, trotz Covid positiv zu bleiben. Aufgemacht ist das Ganze in einem simplen, auf Hochglanz getrimmten Video, das vor allem mit Slapstick- und Comedy-Elementen punkten will: «Ou lueg emol Werni, dä alti Maa lauft eifach i de Unterhose ume. Und jetzt ruscht er au no uff de Bananeschaale uus. So glatt.»

Das Soundbild ist catchy, locker und luftig wie ein Spongecake. Schützenhilfe hat Steffi Buchli dabei von der JAS CRW bekommen. Von der Szene für die Szene? Jein – und genau das ist der Knackpunkt. Einerseits bin ich versucht, den inneren HipHop-Polizisten loszuschicken: Steffi Buchli hat Rap nicht verstanden. Der Song ist cheap. Massentauglicher Fastfood. Billige Schenkelklopfer statt Message mit Hirn. Andererseits: Dass Steffi Buchli mit der JAS CRW down ist, zeigt ja, dass sie durchaus eine Affinität zu HipHop hat. Der Song ist natürlich kein Halt-Die-Fresse-Bazooka-im-Videoclip-Track, aber er verhunzt Rap auch nicht mit billigen Yo-yo-Hip-Hop-Klischees wie «2 am Morge» oder Alex Frei. Ausserdem spendet Buchli die gesamten Einnahmen einer Stiftung für psychisch beeinträchtigte Menschen und gerade wegen seiner bünzlihaften Art ist der Song auf eine eigene Weise eben auch wieder ziemlich real. Warum also der ganze Hate?

Zeigt der Song, dass die Schweizer Mehrheitsgesellschaft Rap immer noch nicht verstanden hat? Oder beweist er dagegen, dass Rap mittlerweile so angesagt ist, dass es sogar Steffi Buchli wissen will? In Amerika gibt es ja en masse witzige Rap-Parodie-Songs von The Lonely Island bis zu Jimmy Fallon und auch in Deutschland featuren die grössten Showmaster wie Klaas Heufer-Umlauf und Jan Böhmermann regelmässig Rap-Stars und Rap-Inhalte.

Die schlechte Nachricht: Sogar Steffi Buchli rappt. Die gute Nachricht: Sogar Steffi Buchli rappt.

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