Der Graffiti-Artist Boogie im Interview mit Brooklyn Brewery
Sunday
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2
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February
2020

Ist das Kunst oder kann das weg?

Der Graffiti-Artist Boogie im Interview mit Brooklyn Brewery

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2020

Ist das Kunst oder kann das weg?

Der Graffiti-Artist Boogie im Interview mit Brooklyn Brewery

Der Graffiti-Artist Boogie im Interview mit Brooklyn Brewery
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Unter dem Titel „artyou walls“ gestalteten im Sommer 2019 sechs Street Art Künstler verschiedene Hausfassaden in Basel. Gepaart mit Street Food und Bier von der Brooklyn Brewery entstand daraus ein einmaliger Event – und just zum Sommerloch eine längst überfällige Diskussion um Street Art im öffentlichenRaum.

Wir haben bei einem der renommiertesten Graffiti-Artists im deutschsprachigen Raum nachgefragt ob Street Art schon zum Mainstream gehört.

Boogie, du bist seit Jahren mit der Spraydose unterwegs. Bist du schon mit der Dose in der Hand auf die Welt gekommen?

Ich stamme aus einem Dorf im Erzgebirge und nicht aus dem «Großstadtghetto». Graffiti kannte ich von Autobahnbrücken und besprühten Zügen, die mir immer wieder bei Besuchen in größeren Städten ins Auge fielen. Ich fand das faszinierend. Als mir dann - das war um 1994 herum - noch 2 Freunde aus meiner Klasse erzählten, dass sie am Wochenende ein Graffiti gesprüht hatten, wusste ich: Das will ich auch. Also im Baumarkt 3 (höllisch teure) Dosen organisiert und am alten Bahnhof meines Dorfes einfach eine Wand am Sonntagnachmittag bemalt. Von da an war ich infiziert und die Sache nahm seinen Lauf. Mit allen Höhen und Tiefen.

Dazu kam später meine Verbundenheit mit der HipHop-Szene und deren 4 klassischer Elemente Breakdance, Rap, DJing und Graffiti. Wir lebten dies zu 100%.

Quelle: www.boogieismyfriend.com

Was fasziniert dich an der Spraydose? Wieso nicht Ölfarbe und Pinsel?

Mich hat schon immer das Spontane und auch die Schnelligkeit an Graffiti fasziniert. Man kann in sehr kurzer Zeit sehr öffentlichkeitswirksam oder auch großflächig arbeiten. Ausserdem warst du natürlich mit Spraydose um Welten mehr Hip Hop und somit „realer“ als mit Pinsel.

Ist die Spraydose eine Art Werkzeug gegen das Establishment? Ein Protest gegen die biedere Gesellschaft? Oder besser gefragt: ist die Spraydose für dich eine Art Protest-Werkzeug?

Für mich ist es mittlerweile ein Mix. Ich liebe es natürlich, den Namen BOOGIE in der ganzen Welt zu verbreiten und mit bestmöglicher Qualität zu punkten. Durch meinen Bekanntheitsgrad ist es mir mittlerweile aber auch möglich, eine Botschaft zu vermitteln und diese ist ganz klar: Miteinander statt Gegeneinander! Man kann sich das als Aussenstehender vielleicht gar nicht so vorstellen, aber was ich in den letzten Jahren vor allem in ärmeren Ländern erlebt habe, ist Wahnsinn: Die Kids sehen dich fast als Popstar und das gibt einem natürlich auch eine gewisse „Macht“ bzw. eine Stimme, die gehört und beachtet wird. Wenn du den Kids in Jakarta, Buenos Aires oder Moskau klarmachen kannst, dass es sich lohnt, für seine Ziele zu kämpfen und es wirklich Sinn ergibt, Fleiß und Geduld zu investieren, um es zu etwas zu bringen - ohne Gewalt und mit Toleranz anderen gegenüber - dann macht mich das schon stolz.

Im vergangenen Jahr hat Boogie seinen Namen bis nach Buenos Aires represented: 


Wirst du bei deinen Arbeiten von einer Message geleitet, die du der Welt überbringen möchtest?
Und/oder gibt es auch Arbeiten die du „just for fun“ machst?

Wenn ich weiss, dass ich im Rampenlicht stehe, weil ich z.B. zu einem größeren Event eingeladen bin, dann versuche ich natürlich, auch gewisse positive Werte zu vermitteln. Generell stehe ich einfach auf frische Farben und klare Formen, um dem Betrachter möglichst schnell ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Der Spaß ist eigentlich auch nach wie vor eine der wichtigsten Sachen bei dem Ganzen. Wenn ich etwas machen „muss“, dann wird das Resultat anders sein, als wenn ich etwas aus Überzeugung oder auch noch mit viel Freude mache.

Mittlerweile jettest du um die ganze Welt und hast über 200‘000 Follower alleine auf Instagram. Kann man da noch halblegale Dinge drehen?

Es wäre wohl recht naiv, in einem Interview über solche Dinge zu berichten. Vielleicht so viel: Ab und zu spüre ich schon noch den Tiger in mir. Und das ist gut so, denn dann merke ich, dass ich noch lebe. ;)

Street-Art Künstler wie Banksy haben in den letzten Jahren einen regelrechten Boom erlebt. Auch in der Schweiz hängen aktuelle Arbeiten der ehemaligen „Rebellen“ mittlerweile in Galerien z.B. Ende 2019 Thierry Furger im Artstübli in Basel. Street-Art tritt quasi durch den Nebeneingang direkt auf die Bühne der Kunstwelt. Geht dadurch auch etwas von der Street-Art Kultur verloren?

Ich finde es in jedem Fall legitim und auch gut, dass Künstler, die die Hälfte Ihres Lebens auf Messers Schneide zwischen Verhaftung und Existenzminimum gelebt - dafür aber alles in ihre Kunst investiert haben - mittlerweile die Ernte einfahren können. Künstler wie Banksy, Shepard Fairey oder Smash137 haben sich dies einfach erarbeitet.

Wenn allerdings jetzt einer daherkommt und meint, mit ein paar gelaserten Schablonen und einer Spraydose Kunst machen zu müssen - nur mit dem Hintergedanken damit Geld zu verdienen, dann ist das schon sehr fragwürdig. Die Streetcredits sollte man sich in unserem Metier schon verdient haben, denn dies ist eigentlich der Kern unserer Kultur: Es geschieht ungefragt und ist vergänglich.

Quelle: www.boogieismyfriend.com

Graffiti, Rap, Hip-Hop oder Break Dance: der New-Yorker Stadtteil Brooklyn wird oft als Geburtsort dieser Kulturen und Genres bezeichnet. Was ist deine Beziehung zur Musik und natürlich zum Stadtteil Brooklyn?

Es ist in der Tat so, dass gerade die Graffitikultur ihre Wurzeln in NYC hat. Brooklyn spielt da eine ziemlich tragende Rolle. Ich selbst war da und empfinde nach wie vor Ehrfurcht vor den Pionieren in der Mutterstadt der HipHop, welche die wohl größte neue Kunstform des 20. Jahrhunderts entstehen lassen haben. Für mich war es das Größte, 2014 zum ersten Mal in NYC zu malen - ein MUST HAVE als Graffitiwriter.

André Morgner, alias BOOGIE lebt im aargauischen Rheinfelden und arbeitet auf der ganzen Welt. Ob Berlin, Bali, Buenos Aires oder Basel - als Graffiti Artist hat er auf der ganzen Welt schon seine Spuren hinterlassen. www.boogieismyfriend.com

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