Octavian der Misshandlung beschuldigt - der Karriereknick?
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2020

Rapper streitet Vorwürfe ab

Octavian der Misshandlung beschuldigt - der Karriereknick?

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2020

Rapper streitet Vorwürfe ab

Octavian der Misshandlung beschuldigt - der Karriereknick?

Yosina Koster
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Octavian der Misshandlung beschuldigt - der Karriereknick?
Quelle:
David M. Benett/Dave Benett/Getty Images for Fendi

Trigger-Warnung: In diesem Artikel sind die Themen «häusliche Gewalt» sowie «physische, psychische und verbale Misshandlung» enthalten.

Der britische Rapper Octavian wird von seiner Ex-Freundin des physischen, psychischen und verbalen Missbrauchs bezichtigt. Sein Label Black Butter Records hat die Zusammenarbeit mit ihm beendet, der Album-Release wurde verschoben.

Die Anschuldigungen

Der 24-jährige Rapper wird von seiner Ex-Freundin mit den Vorwürfen konfrontiert, dass er während ihrer drei Jahre langen Beziehung physisch und psychisch gewalttätig gewesen sein soll. Am Mittwoch, 11. November, veröffentlichte die Künstlerin EmoBaby auf Instagram und Twitter Statements, in denen sie von den Übergriffen des französisch-britischen Rappers sprach. Sie veröffentlichte ausserdem Fotos von blauen Flecken und anderen Spuren an ihrem Körper - alles Folgen des vorgeworfenen Missbrauchs. Begonnen hätten die Übergriffe kurz nachdem sie schwanger wurde. Octavian habe sie attackiert, sie in den Bauch getreten, ihre Lippe aufgeschlagen, mit einem Hammer angegriffen und ihr mit dem Tod gedroht. Octavian soll die junge Frau auch zu einer Abtreibung gedrängt haben.

Gemäss EmoBaby wurden die Angriffe durch Octavian ab diesem Vorfall zur Routine. Oft sei Octavian nach dem Konsum von Kokain übergriffig geworden. Das mutmassliche Opfer spricht von Schlägen, Tritten, Bedrohung mit Baseballschlägern und Attacken mit gefährlichen Gegenständen wie einem Schraubenzieher. Octavian habe sie auch oft an den Haaren und Kleidung durch das Haus gezerrt. EmoBaby behauptet ausserdem, dass ihr der Rapper habe angeboten habe, eine Geheimhaltungsvereinbarung im Wert von 20'000 Britischen Pfund zu unterzeichnen. Dies habe EmoBaby allerdings abgelehnt.

Octavians Reaktion und die Folgen

Am Tag darauf reagierte Octavian auf die Anschuldigungen. Auf Instagram erklärt er, dass die Vorwürfe erlogen seien und seine Ex-Freundin ihm mit den Vorwürfen vorsätzlich schaden wolle, um ihm seinen Album-Release zu ruinieren und sich gleichzeitig selber zu vermarkten.
Tatsächlich hätte diese Woche Octavians Debut Album «Alpha» erscheinen sollen. Der Künstler war in den Jahren 2016 und 2017 an Aufmerksamkeit gelangt, als er verschiedene Projekte veröffentlichte. Der endgültige Durchbruch gelang dem Rapper, als Drake ein Video veröffentlichte, auf dem er den Track «Party Here» an der Golden Globes-Party mitrappte. Im Jahr 2019 gewann Octavian ausserdem den «BBC's Sound Of»-Wettbewerb. 

Diesen Karrieresprüngen dürften jetzt aber Einhalt geboten werden, denn obwohl Octavian die Missbrauchsvorwürfe strikt von sich abwies, hat sein Label Black Butter Records jegliche Zusammenarbeit mit ihm beendet. Die Verantwortlichen nahmen Stellung und erklärten, sie würden das Album «Alpha» von Octavian nicht veröffentlichen. Sie würden Missbrauch und häusliche Gewalt scharf verurteilen und Octavian empfehlen, sich professionelle Hilfe zu suchen. Auch ein Vertreter von Pattern Publicity, Octavians Presseagentur, hat ihm die Zusammenarbeit gekündigt. 

Octavian selbst hat auf Instagram alle Vorwürfe ganz klar abgewiesen. In einem inzwischen gelöschten IGTV Video erklärt er, er wäre in der Beziehung zu EmoBaby immer «nett» gewesen und es sei im Gegenteil sie gewesen, die ihn mit der Drohung eines Gewalt-Vorwurfs zu erpressen versuchte, sodass er die Beziehung nicht beenden würde. Octavian sagt, die Justiz werde die Wahrheit mit Beweisen ans Licht bringen und nutzt die Gelegenheit im Video, Werbung für sein neues Album zu machen.


In seinem Statement geht Octavian nicht auf den Umstand ein, dass seine Ex-Freundin auch Screenshots veröffentlicht hat, in denen Octavian scheinbar seine Gewalttätigkeit eingesteht. EmoBaby sagte ausserdem, sie habe bereits Anzeige mit dem Vorwurf der häuslichen Gewalt gegen Octavian erstattet. In ihrem Statement erklärt sie, dass sie seit den Ereignissen an einer posttraumatischen Belastungsstörung leide. Ausserdem habe sie sich Hilfe geholt und in einer Therapie mit der Verarbeitung des Missbrauchs begonnen.

EmoBaby sagt, sie hoffe, dass ihre Geschichte Licht auf die komplexe Tiefe der Manipulation werfen kann, mit der Opfer des Missbrauchs mit Hilfe von Machtausübung und Isolation dazu gebracht werden, bei ihrem Peiniger zu bleiben. Sie meint, es gehe ihr jetzt besser und es gebe ein Leben nach den Misshandlungen.

Rückendeckung für EmoBaby

EmoBaby erhält ausserdem Support von verschiedenen Persönlichkeiten der britischen Musikszene. So hat zum Beispiel die Pop-Sängerin Dua Lipa auf Instagram die Kontaktdaten von Hilfswerken gegen häusliche Gewalt geteilt mit dem Vermerk «Fuck Octavian». Auch Tiffany Calver, DJ im BBC Radio 1Xtra hat über die Anschuldigungen gesprochen und meinte, EmoBaby sei «eine Kämpferin». Unterstützende Statements kamen auch von IAMDDB, Chlobocop und Rachel Chinouriri. Allerdings: Octavians Kollabo-Partner wie Future oder Gunna äusserten sich nicht zu den Vorwürfen.

Bislang handelt es sich bei den Vorwürfen um Behauptungen und bezüglich Octavian gilt die Unschuldsvermutung. Ob an den Anschuldigungen etwas dran ist, wird sich vielleicht noch zeigen. Dass ein  Künstler so kurz vor Album-Release vom eigenen Label gedroppt wurde, zeigt allerdings, dass zumindest dieses Label bei solchen Vorwürfen kein Pardon kennt. Ob das als Zeichen gedeutet werden kann, dass sich die Zeiten ändern und dass bei sexistischem und frauenverachtendem  Verhalten von Rappern nicht länger ein Auge zugedrückt wird, wird sich noch zeigen. 

Häusliche Gewalt in der Schweiz

In der Schweiz wurden im Jahr 2019 20'000 Fälle der häuslichen Gewalt registriert, die Dunkelziffer dürfte allerdings viel höher sein. Auch Männer können von häuslicher Gewalt betroffen sein, 2019 waren in 30% der Fälle Männer die Opfer der häuslichen Gewalt. Expert*innen gehen davon aus, dass während des Lockdowns besonders viele Menschen der häuslichen Gewalt ausgesetzt sind. Häusliche Gewalt oder psychische & physische Misshandlung kann im Kleinen anfangen und es braucht viel Mut, sich dagegen zu wehren. Trotzdem ist genau das wichtig; in der Schweiz wird alle vier Wochen eine Frau* von ihrem Partner umgebracht.
Wenn du also selbst von häuslicher Gewalt oder Misshandlung betroffen bist oder jemanden kennst, der betroffen sein könnte, dann hol dir Hilfe. Unter https://www.opferhilfe-schweiz.ch/de/opfer-von/hauslichegewalt/ findest du Angebote in deinem Wohnort. Die Opferhilfe unterstützt dich dabei, das richtige Hilfsangebot zu finden, berät dich in deinen Rechten und hilft dir dabei, einen Weg aus der Gewalt zu finden.

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